Mittwoch, 26. August 2015

Alto Adige Teil4 - Roncolololololololo

Dienstag. 
Und ich bin schon recht faul geworden. Außerdem war ich ab da der einzige Gast im Hotel. Das Frühstücksbuffet ist auf meine Wünsche reduziert worden und nachdem ich ca. eine Stunde gefrühstückt hatte, habe ich mich auf den Balkon gesetzt und die Dolomiten angestarrt. Bewundert. Angestarrt und bewundert. 


Irgendwann habe ich mich losgerissen und mich endlich auf den Weg gemacht. Schloss Runkelstein (was für ein Name!) stand am Programm. Nachdem ich ohnehin viel zu viel Zeit für alles hatte, wollte ich nur dorthin. Und es ganz betrachten. 
Von Bozen nimmt man den Bus. Wenn man ihn findet. Was gar nicht so leicht ist. Ich hab eine Stunde gesucht. Man könnte auch anrufen und sich holen lassen, aber das kam mir merkwürdig vor, deshalb suchte ich den Öffi-Bus. Hat man ihn mal gefunden (der hält nämlich in der Nähe des Bahnhofs, nicht aber direkt dort und schon gar nicht beim Waltherplatz), dann bringt er einen an den Fuß des kleinen Berges, auf dem das Castel liegt. Wieder hinauf. Von unten sind die Berge ja wirklich schön, aber muss man echt immer rauf hatschen? Man muss. 

Was hatte ich darüber gelesen? Schloss Runkelstein ist eine oftmals umgebaute Burg (Schloss, Burg, ist in Südtirol eh alles dasselbe) mit dem größten, profanen Freskenzyklus des Mittelalters. Und vieles davon soll noch sehr gut erhalten, bzw. sehr gut restauriert sein. Deshalb wird sie auch "Bilderburg" genannt. Es gibt auch eine Ausstellung über den Handelsweg Verona - Tirol, aber, guess what, die war mir wurscht.

Also hinauf gehatscht. Oben angekommen, hab ich mich zu einer Führung angemeldet, weil meine Reiseführer zwar den Freskenzyklus erwähnten, aber nix Genaues dazu. Wenn's aber doch so viele gibt, muss man sich schon was erzählen lassen. 
Der Guide war wirklich gut, hat launisch erzählt, auf Deutsch und auf Italienisch und Fragen beantwortet. Kurzfassung (nachlesen kann jeder von euch selbst): die Vintler-Brüder, die die Burg irgendwann gekauft haben, waren sehr reich, aber keine Adelige. Was sie aber unbedingt sein wollten. Nun haben sie die Burg ausgebaut und reich mit Bildern geschmückt, um zu zeigen, wie weltgewandt sie sind, wie gut sie sich in der Welt, ihrer Zeit und in der Sagen- und Mythenwelt auskennen. So ist die Bilderburg entstanden (irgendwann hat einer einen Adelstitel bekommen, wenn ich mich recht entsinne). 


Nun gibt's da Fresken über den (Um)Bau der Burg, über König Artus und seine Tafelrunde, über die Legende von Tristan und Isolde, über Turniere, über die Zeit im Mittelalter, über die Minne und wie man Frauen hofiert und auch ein Bad, das wahrscheinlich keines war, aber so genannt wird, weil Nackte in den Fresken dargestellt werden. Alles sehr spannend. Und schön anzusehen. Und so unglaublich viel davon!

Gegen Abend war ich wieder in Bozen und bin dort nochmal spazieren gegangen, weil es nicht mehr so kalt war, wie am ersten Tag. Und just habe ich die Rittner Bahn nach Hause verpasst. Die sind aber auch wirklich super-pünktlich. Eine Stunde warten, oder einen der "gut ausgeschilderten Wanderwege" (Zitat Drillsergeant) zurück nehmen? Ein bissi ein schlechtes Gewissen hatte ich, weil ich an dem Tag nix gemacht hab, außer Castel Roncolo zu bewundern, also hab ich mich für's Gehen entschieden. Immerhin konnte ich dann sagen, dass ich auch ein bissi wandern war. (Insgeheim hab ich gebetet, dass nix davon mehr bergauf geht) 
Schön war's. 
Gerade heim gekommen, als die Sonne unterging.
Und die Dolomiten vor meinem Balkon haben mich ordnungsgemäß glühend begrüßt. 

Teil5 - Trient
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Alto Adige Teil3 - Erst ein Tag und ich muss schon auf Kur

Meran war für Ostermontag angedacht. Da sollte das Haflinger Galopprennen, mit vorheriger Parade durch die Stadt stattfinden. So um ca. 10:00 Uhr. Keine Frage, zu der Zeit hab ich es natürlich nicht hin geschafft. Na und, schließlich war ich auf Urlaub, ich durfte trödeln (der Drillsergeant sah das übrigens ganz anders). 

Wie immer: Rittner Bahn, Seilbahn und mit der normalen Bahn nach Meran (In der gab's übrigens funktionierendes WLAN, liebe ÖBB...). Dort war vor dem Bahnhof ein Markt, den ich aber ignoriert habe (weil ich ohnehin schon so spät dran war) und bin gleich Richtung Stadt mit ihren - Trommelwirbel - Laubengängen!
Meran ist ein Kurort, den Kaiserin Sisi schon besucht hat. Leider war es an dem Tag sehr windig, fast schon stürmisch, die Promenaden an der Etsch sind mit Schotter ausgelegt, was im Wind nicht sehr einladen ausgesehen hat. Überall der Staub vom Schotter. Was man leider auch noch anmerken muss: das Kurhaus Meran, Jugendstil, steht der Therme Meran gegenüber und das ist wohl eines der hässlichsten Gebäude, die man sich vorstellen kann. Warum sie das nicht schöner gemacht haben, ist mir unverständlich. 



However. Laubengänge. Hatten wir schon. Natürlich sieht's hübsch aus. Vor allem, wenn an beiden Enden Berge sichtbar sind. Und lang sind sie auch.
Die Landesfürstliche Burg Meran (15.Jhdt) war geschlossen, hinein wollte ich aber ohnehin nicht. Der kleine Eingang hat mich allerdings fasziniert. Praktisch daneben ist der Sessellift, der zum Dorf Tirol führt. Es war Mittag und es waren so gut wie keine Menschen dort. Das Dorf mit Schloss Tirol stand an diesem Tag auch noch am Plan, aber erst nachdem ich Meran erkundet hatte. Also nur kurz die Preise gecheckt und weiter gezogen. Durch die Laubengänge direkt auf den Dom zu. Spätgotisch. (Und nicht die Größe eines Doms, btw). Gleich anschließend ist die Barbarakapelle, die ein sehr hübsches Sternrippengewölbe hat. Und dahinter beginnt das wirklich interessante Meran. Denn dort wird's alt. Es geht bergauf, ein paar kleine Gasserl entlang und man steht vor dem Passeier Tor. Eines der drei noch erhaltenen Stadttore inklusive Reste der Stadtmauer. Gleich daneben steht das "Hohes Haus" (mit der Suche nach dem Namen dieses Hauses, hab ich die Touristeninfos Südtirol und Meran ins Schwitzen gebracht - aber sie haben's raus gefunden :-) ), das jetzt in Privatbesitz und wirklich hübsch ist. Davor geht man durch ein kleines Tor neben der Santer Klause (ehemalige Salzstraße führte hier entlang).


Geht man durchs Passeier Tor und biegt gleich links ab, kann man den Berg hinauf zum
Pulverturm gehen, von dem man eine wunderschöne Aussicht auf Meran und das Etschtal hat. Hinterm Tor führt die Römerbrücke über die Etsch und man könnte (wenn man, in meinem Fall, staubig werden wollte) eine Promenade an der Etsch entlang gehen und sich ein bissi wie Sisi fühlen. Wollt ich aber nicht. Ich bin durch die Altstadt zurück zum Sessellift, um ins Dorf Tirol zu kommen, nur, um dort eine unglaublich lange Schlange von Menschen anzutreffen, die offensichtlich dasselbe vor hatten. Also hab ich es gelassen und hab mir am Bahnhof einen Bus gesucht. 

Im Bus hat mich ein älteres Paar angesprochen, die mir dann gesagt haben, der Weg zum Schloss Tirol (wo ich ja hin wollte), wäre ein sehr langer vom Dorf Tirol und das schaffte ich sicher nicht, bevor die zusperrten. Challenge accepted.
Gut, wenn man mit Steckerl gemütlich unterwegs ist, ist der Weg sicher lang. Auch, wenn ich keine flotte Geherin bin, wirklich lang isses nicht. Und von jeder Kurve so eine schöne Aussicht auf das Etschtal, auf Meran und das Schloss Tirol.
Angekommen, hatte ich noch genau eine Stunde, um das Schloss zu besichtigen. Es ist auch Landesmuseum und hat Ausstellungen über die Geschichte Tirols mit Margarete Maultasch (und mehr) über sechs (!) Stockwerke. Aber ehrlicherweise, die haben mich nicht interessiert. Warum ich es sehen wollte, waren - neben der Aussicht und weil man es gesehen haben muss - die Krypta, die Kapellen und v.a. die beiden romanischen Portale. Wow! Ich muss gestehen, ich bin durch die Burg gerast, um die meiste Zeit vor den Portalen zu verbringen. Also eigentlich zwischen den Kapellen und den Portalen. 

Dann draußen noch ein bisschen die Aussicht genießen (Berge sind echt was Schönes) und zurück ins Dorf Tirol - das man übrigens getrost links liegen lassen kann - und gerade rechtzeitig zum Bus gekommen. Wieder war das alte Ehepaar da, die ihre Steckerl eingepackt haben und überrascht waren, dass ich es doch rechtzeitig ins Schloss geschafft hatte. Aber ich konnte unmöglich genug Zeit gehabt haben, um mir die Ausstellung anzusehen. Hatte ich auch nicht, erklärte ich ihnen, weil ich hauptsächlich wegen der romanischen Portale dort war. Der Mann konnte es nicht fassen und hat seiner Frau dann möglichst laut erklärt, dass man doch nichts gesehen haben könne, wenn man die Ausstellung nicht besucht. Und eigentlich keine Ahnung von Geschichte haben könne. Weil ich meinen Mund nicht halten kann, hab ich ihm dann ebenso laut erklärt, dass ich über die Maultasch genug gelesen hatte und ob er überhaupt wüsste, wie schön Romanik sei.
Sie haben sich dann woanders hingesetzt. Lächelnd. Aber trotzdem weg. Pffff!


Dem Drillsergeant bin ich Abends ausgewichen, um mich nicht wieder rechtfertigen zu müssen, warum ich mir die Ausstellung nicht angesehen habe, aber er hat mir trotzdem sehr gute Spaghetti Carbonara gemacht. Mit dem Eidotter zum Schluss oben drauf. Weil "so g'hört desch!"

Teil4 - Runkelstein
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Sonntag, 23. August 2015

Alto Adige Teil2 - Nicht nur Ötzi war kalt...

Samstags war Anreise. Sonntags wollte ich nach Bozen. Des Drillsergeant Reaktion darauf: "Was wilscht denn am Sonntag in Bozen, da isch jo kana." Naja... schlecht?!

Mit der Rittner Schmalspurbahn nach Oberbozen getuckert, dort die Rittnercard entwertet und prompt war sie kaputt. Sollte aber kein großes Problem für den Rest des Tages werden; überall wo ich sie gebraucht habe, hat man mich dennoch durch gelassen und nur gemeint, ich solle mir eine neue besorgen.



In die Seilbahn gesetzt und runter ging's. Ich bin ja keine Skifahrerin (das letzte Mal vor mehr als 20 Jahren in der Schule) und auch keine Bergsteigerin (wobei die ja "steigen" und nicht "Seilbahn fahren" - zumindest in den meisten Fällen), daher hab ich's nicht so mit Seilbahnen. Ich muss sagen, das ist schon sehr cool. Auch nach einer Woche noch. Ich musste sie ja täglich 2x nehmen. Wie ein Schulkind (weiß ich vom Drillsergeant). Und, auch wenn man gegen Ende der Woche die neuen Touristen etwas belächelt, wenn sie so aufgeregt in die Kabine steigen, wie ich am ersten Tag, ein spannendes Gefühl bleibt es dennoch. Der Wind ging ziemlich stark, bei jedem Pfeiler ist die Gondel ein wenig gehüpft und hat im Wind geschaukelt. 12 Minuten dauert so eine Fahrt von Oberbozen nach Bozen. 

Unten angekommen, kurz auf den Stadtplan geblickt und los gegangen. Auf dem Plan standen die Laubengänge, der Dom und der Waltherplatz, mindestens noch ein weitere Kirche mit Kreuzgang, ein paar gotische Häuser (davon gab's ohnehin nur fünf, sollte ich später sehen), eventuell ein Kloster (mit Kreuzgang) und *nur kurz* das Ötzi-Museum. Wenn ich schon dort bin, sollte ich ihn gesehen haben auch. Aber bloß nicht zu viel Zeit drin verschwenden.

Nun war die Sache diese, es hat die Sonne geschienen und es war saumäßig bitterkalt. Anfang April war's und ich bin ja - von mir aus gesehen - in den Süden gefahren. Also fast bis nach Italien. Da isses doch wärmer als bei mir, dachte ich (in meinem kleinen, rosa Hirn). Klar hab ich die Wetterlage gecheckt, aber ehrlicherweise kann ich nicht sagen, wie sich 20°C bei Wind anfühlen. Ich hatte ja schon einiges zum Anziehen mit (deshalb auch die Wahl mit dem Auto), aber das Fiese dort in den Bergen ist: oben isses anders als unten. Womit ich nicht gerechnet hatte, war: auf meinem Balkon (*oben* am Ritten) war's unverhältnismäßig wärmer als *unten* in Bozen. Ich hab an dem Tag zu wenig angezogen und gezittert wie Espenlaub.


Also hab ich mich, nachdem ich die Laubengänge begutachtet hatte und nicht verstanden habe, warum die halbe Welt (also meine zwei Reiseführer) aufgrund dessen so durchdrehen, es sind Arkadengänge mit Geschäften drin, sowas gibt's in Krems auch, aber ok... also hab ich mich, nachdem ich eh grad dort war, ins Ötzi-Museum getrollt, zuvor noch mit dem Plan (ich liebe Pläne), mich dort nur aufzuwärmen und dann weiter zu gehen. Im Endeffekt hab ich sehr viele Stunden im Museum verbracht. Ich wollte einfach nicht mehr raus. Mir war zu kalt. Interessant war es auch. Und ich hab Ötzi gesehen. Durch das kleine Loch in seinem Tiefkühlschrank. 

Irgendwann hab ich mich wieder raus getraut, aber nicht, ohne vorher nach dem WLAN-Passwort der Stadt zu fragen. Sowas ist wichtig. Und die Stadt hatte Hotspots. Obwohl's dann wurscht war, weil ich das Handy ohnehin nur im Hotel in der Hand hatte... Irgendwann bin ich also wieder hinaus und flotten Schrittes durch die Stadt gewandert. Ins Franziskanerkloster z.B., das einen hübschen Kreuzgang hat (nicht so hübsch, wie Brixen, aber das wusste ich da noch nicht) Überhaupt ist Südtirol voll von Kreuzgängen und Fresken. Das besteht praktisch aus Kreuzgängen und Fresken. Und Burgen. Die auch Schlösser sein können, weil die da keinen Unterschied machen. In unserem Verständnis sind es Burgen. Und Bergen. Bergen, auf denen Burgen stehen, die Kreuzgänge haben, die mit Fresken geschmückt sind. Das ist Südtirol.
Ich hab die einzigen fünf gotischen Häuser entdeckt, bin dreimal ums Schloss Maretsch, auf der Suche nach einem Eingang, durch Zufall (weil ich mich verlaufen habe) in der Herz Jesu Kirche (Neuromanisch) gelandet, die ein bisschen ans Sacre Coeur in Paris erinnert, bin am Waltherplatz gestanden und hab mich gefragt, warum um den so viel Aufhebens gemacht wird und war verwundert, dass das kleine Kircherl am anderen Ende des Platzes, *Dom* genannt wird. Gotisch und nicht mal besonders schön. Die Turmspitze ist ein bisschen anders, als andere gotische Turmspitzen, aber das war's dann auch schon. "Romanisch-Gotisches Kleinod" wird sie in manchen Führern genannt... sorry, Leute, Romanik war einmal, davon ist so gut wie nichts mehr zu sehen, nachdem sie gotisiert wurde (so wie leider bei uns viele Kirchen barockisiert wurden). Vergleiche mit Notre Dame werden angestellt - ja, ist beides gotisch. Mehr gibt es aber nicht zu vergleichen. Aber hey, guess what, es gibt Freskenmalereien!



Nachdem ich beschlossen hatte, nicht in der sonnigen Kälte des Waltherplatzes einen wahrscheinlich überteuerten Kaffee zu trinken und auch sonst schon dreimal planlos durch dieselben Gassen gelaufen bin, außerdem langsam ein steifes Genick bekommen habe, weil ich den Kopf ständig oben hatte (die blöden Fresken sind ja alle nicht auf Augenhöhe), hab ich mir gesagt "Let's call it a day" und bin zurück Richtung Seilbahn, Rittner Bahn, um dann müde die 300 Höhenmeter zum Hotel hinauf zu schnaufen (der Drillsergeant bemerkte messerscharf angesichts meiner Schnauberei, dass ich aus dem Flachland stamme). Dort angekommen musste ich erst mal eine Stunde unter der heißen Dusche verbringen. Danach hab ich mir ein paar Gläser Wein, hausgemachte Südtiroler Schlutzkrapfen und ein Schokomousse gegönnt. Es war ja Ostersonntag. Was ich frühmorgens übrigens total vergessen hatte und als Einzige in den vollen Frühstücksraum im Jogginganzug gekommen bin... 

Südtirol wollte mich aber noch nicht aufgeben und hat als Betthupferl seinen Vollmond über den Dolomiten aufgehen lassen... 

Alto Adige Teil1 - Wie der Bär die Dolomiten kennen lernt

Irgendwann dachte ich mir mal "Alle schwärmen von Südtirol - vielleicht solltest du das auch sehen". Gedacht, gesucht, gebucht. Eine Woche Südtirol und Trentino. Nachdem ich aus jeder Urlaubsvorbereitung eine Wissenschaft mache, folgte eine wochenlange Planung, wann ich wo was ansehen würde, wie ich mit dem Auto wohin käme, wo kann man parken, welches Hotel bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis inklusive Rittencard an, usw...
[Anmerkung am Rande: die Damen und Herren der Touristeninfo von Südtirol sind flott, freundlich, verlässlich und top-informiert!]
Perfekt vorbereitet ins Auto gesetzt und los gefahren. Das erste Mal alleine mit dem Auto ins "Ausland". Fast 40 hab ich dafür werden müssen. Bissl nervös war ich schon. Aber alle haben mir versichert, dort spricht jeder Deutsch. Eh, nur zuerst haben mich mal alle auf Italienisch angesprochen... Egal. Nach langer Fahrt, inklusive Schneetreiben am Brenner (warum zahl ich davor eigentlich die Asfinag, wenn ich ohnehin eine Vignette habe?!), einem verrückt gewordenen Navi, das mich ständig über Feldwege ("Via Superduper") schicken wollte und einem höchst anstrengenden Serpentinenweg auf den Ritten (immerhin hatte ich 7Std Fahrt hinter mir), war ich endlich da. Anfangs fand ich das Hotel, das ich mir ausgesucht hatte, nicht so aufregend. Die Lage war zwar nett, aber ich hatte das Gefühl, ich wurde nicht ausreichend freundlich begrüßt. Später sollte ich merken, dass das der herbe Südtiroler Charme ist. Man gewöhnt sich dran und findet ihn irgendwann nett. Immerhin hab ich einen Begrüßungskaffee bekommen.
Mein Zimmer war aber recht niedlich. Sehr klein, Waschbecken im Zimmer selber, weil das Bad von Dusche und Klo eingenommen wurde, aber mit Terrasse. Ich vermutete, dass der Ausblick wohl ein schöner würde, wenn sich die Wolken verzögen. Saukalt war's. Und genieselt hat es. 

However, am nächsten Morgen aufgewacht, auf den Balkon gegangen und... Boah!! Keine Wolken, aber Berge! Aber sowas von Bergen! Beeindruckt zum Frühstück gewandert und den Hotel-Chef (sollte in späterer Folge "Drillsergeant" heißen) gleich als erstes gefragt, ob das da, was da von meinem Balkon aus zu sehen sei, ob das echt die Dolomiten wären. Mit einem recht merkwürdigen Blick: "Selbstverständlich. Was sonst." Ja... eh... was sonst. Keine Ahnung, was sonst! Ich komm aus dem Flachland und hab nur gelesen, dass die Dolomiten da irgendwo seien. Wer konnte denn ahnen, dass sie direkt vor meinem Balkon sind! Das Spitzerl links ist übrigens der Schlern, für die Auskenner unter euch.


Frühstück. Ich mag Frühstück. Es gab eigentlich eh alles. Außer Speck. Hätte ich auf Anfrage bekommen, hab mich aber nicht getraut. Ich gebe zu, die Südtiroler verunsichern mich ein bisserl. Aber ein "weiches Eierle" hab ich bekommen. Jeden Morgen. 
Dann noch ein paar Zigaretten am Balkon und die Dolomiten anstarren. Am Balkon sollte ich noch viel Zeit verbringen.
Irgendwann hab ich mich los gerissen und den Drillsergeant befragt, wie ich am besten nach Bozen komme (in Wirklichkeit hatte ich alles schon online gecheckt, ich wollte nur sicher gehen, dass die Online-Version der Wirklichkeit entspricht). Die Kurzversion: mit der Rittner Schmalspurbahn, die 300m unterm Haus hält, nach Oberbozen, und von dort mit der Seilbahn runter nach Bozen.
Die Langversion beinhaltet die Geschichte der Rittner Bahn inklusive sämtlicher Haltestellen (früherer und jetziger), des Drillsergeant Rolle in der Geschichte der Bahn, seine Familienchronik, die Rolle der Seilbahn im Alltagsleben der Rittner Bewohner, die geographischen Begebenheiten des Ritten und seiner Umgebung, die Abfahrt- und Ankunftszeiten der Bahn und Seilbahn und den Hinweis, dass immer alles pünktlich sei (Ja, hab ich bemerkt, als ich abends mal unfreiwillig heim spaziert bin, weil ich die Bahn um eine Minute verpasst hatte). Der geneigte Leser wird vermuten, welche der beiden Versionen ich zu hören bekam. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er mich nochmal alles abgeprüft hätte...

Obwohl es mir echt schwer viel, den Blick von den Dolomiten zu nehmen, hab ich mich dann doch irgendwann mal zusammen gepackt und die 300 "Höhenmeter" (so kam es mir jedenfalls vor) hinunter zur Rittner Schmalspurbahn gerollt, um nach Bozen zu gelangen. 

Teil2 - Bozen
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PS: Ich meine tatsächlich "wie" der Bär die Dolomiten kennen lernt. Also kein blödes Grammatik-Gehabe!

Samstag, 22. August 2015

Berlin - die Stadt, die einen Bären einmauert

Ich war letztes Jahr ein paar Tage in Berlin. Der, ach so coolen Stadt Berlin. (Siehe Bärlin, ich komme!Ich wollte der ganzen Sache wirklich eine Chance geben, obwohl ich mir sicher war, dass mir Berlin nicht gefallen würde. Und leider hat sich das bewahrheitet. Ja, sorry. Steinigt mich. Mir gefällt Berlin nicht. Das Lebensgefühl, die unendlichen Möglichkeiten zu brunchen, die künstlerischen Weirdos, die Nachtclubs, ... das mag ja alles cool sein, aber das ist nicht, wonach ich bei einem Städtetrip suche. Oder mich generell interessiert, wenn ich verreise. Ich mag Architektur, historische Eindrücke, geschichtliche Hintergründe. Gehen wir darauf nicht weiter ein, jedem seinen Geschmack. Das ist eben meiner. 

Berlin hat keine Sehenswürdigkeiten (in dem Sinne, wie ich sie suche). Wie auch, wurde ja komplett zerstört im zweiten Weltkrieg und dann kam die Mauer. Und - sind wir ehrlich - das ist - neben den "coolen" Menschen - wovon Berlin jetzt zehrt. Seine touristische Geschichte reicht bis zum zweiten Weltkrieg, von davor gibt es nichts mehr. Hat durchaus seine Berechtigung, ist aber eben nicht meins (genug gerechtfertigt!). Berlin versucht das Beste daraus zu machen, scheitert aber - imho - in vielen Fällen daran. Aus einigen Dingen könnte man mehr machen. Nehmen wir z.B. die Mauer bzw. East Side Gallery: Das letzte Stück erhaltene Mauer steht an einer sechs(!)spurigen Straße mit Grünstreifen in der Mitte (Friedrichshain). 
Bis auf die Oberbaumbrücke im Hintergrund, außerdem keine schöne Gegend. Eine Reduzierung der stark befahrenen Straße davor, wär schon mal ein Beginn. 


Durch die Stadt führen angeblich Plaketten, die darauf hinweisen, wo mal die Mauer gestanden ist. Rein zufällig hab ich eine gefunden am Potsdamer Platz
Die Aussicht vom Reichstag ist sicher toll. Die vom Fernsehturm wohl auch. Bei keinem der beiden hatte ich große Lust, anzustehen. Man kann die Karten auch online kaufen, dann ist man aber auf einen Tag und eine Uhrzeit angewiesen. Das mach ich nicht so gerne, weil ich zwar meine Tage plane, aber diese Pläne meist vor Ort komplett über den Haufen werfe. Demnach hab ich beides nur von außen gesehen. Irgendwie mochte ich den Fernsehturm. Grottenhässlich, aber von überall sichtbar - was ja beabsichtigt war. Damit wollten die DDR-Machthaber dem Westen zeigen, wie großartig sie sind. Dumm nur, dass bei einer gewissen Sonneneinstrahlung die verspiegelte Fläche ein Kreuz auf den Turm malt. Und das den Kommunisten!
Blöd gelaufen :-D

Und wenn wir schon im ehemaligen Osten sind: dort sind noch die schönsten Plätze zu finden, z.B. die Hackeschen Höfe. Gleich um die Ecke vom Fernsehturm. Jugendstil. Sehr nett. Und ein sehr winziges, aber sehr süßes Viertel findet man in der Nähe der Museumsinsel: das Nikolaiviertel. Die Museumsinsel, btw, sieht zwar toll aus, aber nicht vergessen, nix davon ist wirklich alt. Gleich gegenüber wird das Berliner Stadtschloss 2.0 "wieder" gebaut. 

Was haben wir noch: Kurfürstendamm mit KaDeWe. Einkaufsmeile eben mit dem Kaufhaus des Westens als erstes Kaufhaus, in dem es Westliches gab (wie der Name schon sagt). Nix aufregendes. Sorry. 

Die Kaiser Wilhelm Gedächtniskirche kann noch was. Bleibt so zerstört, wie sie ist, um zu mahnen. Apropos: Das Holocaust Mahnmal beim Brandenburger Tor ist bedrückend. Außer es rennen Horden von Schulklassen durch. Genauso bedrückend wie die Topographie des Terrors. Immens viel zu lesen und zu sehen, kaum durchzuhalten, aber bei Interesse sicherlich sehenswert. 
Das Brandenburger Tor, vor dem die Mauer verlief, ist auf der Parkseite noch halbwegs hübsch zugänglich, von der richtigen, von vorne also... naja. Ein riesiger Platz mit Banken rundum. Könnte man auch mehr draus machen. Eigentlich ist die ganze West-Seite eine einzige Baustelle. Die "Prachtmeile" vor dem Brandenburger Tor wird wieder hergerichtet, ich glaube, das Verkehrsnetz (das öffentliche) wird ausgebaut, daher stolpert man von einer Baugrube in die nächste. Aber dort findet man auch den Shop der Ampelmännchen. Etwas, woraus die Berliner etwas gemacht haben. Man wird von ihm überall in der Stadt verfolgt, wie auch von den Trabis aus dem Trabimuseum. Mit denen kann man eine Berlinfahrt buchen. Wen es interessiert. 

Natürlich war ich auch bei Checkpoint Charlie. Zweimal. Ich kann mich zwar an den Fall der Mauer erinnern, aber davor fehlt mir Erinnerung und damit wohl auch das richtige Verständnis für etwas wie Checkpoint Charlie. Ich würde es nicht ignorant nennen. Unwissend auch nicht, ich kenne die Geschichte. Aber 1989 (Fall der Mauer, für die ganz jungen Leser) war ich 13. Und davor schlicht zu jung, um die Dramen der Trennung wirklich mitbekommen zu haben. Ein Freund kennt Checkpoint Charlie noch als tatsächlichen Grenzübergang. Und jetzt als Touristenattraktion. Für den ist das selbstverständlich ein ganz anderes Gefühl dort zu stehen.

Fassen wir zusammen: Berlin ist ein zweiter Weltkrieg-Museum. Und das ist nicht einmal bös gemeint. 

Ach, und um auf den Titel zu kommen: Berlins Maskottchen ist ein Bär. Die Bärin Schnute. Sie sitzt quasi mitten in der Stadt in einem winzigen Zwinger. Und nein, Berlin wollte sie nicht an Vier Pfoten verkaufen, damit die ihr einen adäquaten Lebensabend in einem ihrer Bärenwälder bieten können. Sorry, Berlin. Das ist alles andere als cool...

(und falls euch der Bär auch so leid tut, wie mir, dann spendet hier ,um wenigstens anderen Bären zu helfen)