Montag, 29. August 2016

Mit Vollnarkose in den 40er

Vor kurzem hatte ich meine allererste Operation. Vollnarkose inklusive. 40 Jahre habe ich werden müssen, bis ich das erste Mal eine OP habe. Meine Gyn empfahl mir, der/die/das eben entdeckte Myom in der Gebärmutter gezielt entfernen zu lassen. Nach dem ersten Schreck und ein paar kleinere Panikattacken später, habe ich mich ins Spital begeben, um das mit denen zu besprechen. Die Dame bei der Anmeldung, obwohl sie wahrlich genug zu tun hatte, war sehr freundlich. Allerdings hat mir ihre Frage "Sollten Sie mal nicht ansprechbar eingeliefert werden, wer ist ihr Notfallkontakt?" doch etwas zu denken gegeben. Und zwar in der Hinsicht, dass man ev. eine Krankenvorgeschichte hat, die für Rettungssanitäter und/oder Ärzte von Interesse sein könnte. Oder Allergien, Unverträglichkeiten, Dinge auf die man aufpassen sollte oder Dinge, die womöglich in die richtige Richtung lenken, ohne viel Zeit zu verlieren. 

Kurzer Exkurs:
Es gibt wohl in einigen Handies eine Funktion in den Kontakten, wo man sowas eintragen kann und die man auch in gesperrtem Zustand lesen kann. Zwar habe ich jetzt in meinem eigenen Kontakt die wichtigsten Dinge notiert, aber, um sicher zu gehen, sollte man wohl eher ein Zetterl bei der e-Card im Geldtascherl haben.


Zurück:
Ich wurde also zum Vorgespräch mit der Ärztin geholt, die u.a. Folgendes zu mir sagte: "Nachdem Sie schon 40 sind, gehe ich davon aus, dass Ihr Kinderwunsch abgeschlossen ist." (Das war nicht mal als Frage formuliert) Etwas überrascht, ich: "Naja,... also... warum?" "Nun, weil ich dann bei der OP nicht so sehr aufpassen muss. Ich muss dabei ja die Gebärmutter dehnen und das kann ich dann bei Ihnen mehr, als, sagen wir, bei einer 20-jährigen, die mit ihrem Freund zu mir kommt und die Familienplanung noch vor sich hat. Eine Fehlgeburt ist wahrscheinlicher, wenn man die Gebärmutter so dehnt." 


Ich sehe euch beim Lesen nicht, aber ich vermute, euer Gesichtsausdruck entspricht so ziemlich dem meinigen, als ich das gehört habe...
Nach einem kurzen Moment: "Haben Sie das grade ernsthaft zu mir gesagt? Ich hoffe doch sehr und ich wünsche mir, dass Sie bei mir genauso gut aufpassen, wie bei einer 20-jährigen und nicht weniger, nur, weil ich *schon* 40 bin. Egal, ob ich Kinder will oder nicht."

Sie setzte gerade an, mir was von "natürlich passt sie auf" zu erzählen, als sie zu einem Notfall gerufen wurde und ein junger Assistenzarzt das Gespräch mit mir fertig führte. Der war sehr emotionslos, aber höflich und genau. Irgendwie habe ich auch mitbekommen, dass diese Ärztin mich ohnehin nicht operieren würde, weil sie wohl auf Urlaub ginge. Aber mir diese Information sicher einzuholen, habe ich nicht mehr geschafft. 
Man schickte mich dann noch zur Anästhesistin, die eher enttäuscht war davon, dass es bei mir nichts gäbe, worauf sie achten müsste, und nach etwa 5 Std war ich freigegeben zur OP. Kaum draußen aus dem KH, konnte ich die Tränen nicht mehr zurück halten. Der Gedanke an meine erste OP mit Vollnarkose, der halbe Tag im KH (das ich bisher nur von Besuchen kannte) und dann diese unglaublich taktlose Ärztin (Name der Redaktion bekannt) - das war zu viel für mich an diesem Tag. 



Bis zur OP eine Woche später, hatte ich mich allerdings wieder etwas beruhigt. Alle drei Ärzte, mit denen ich zuvor gesprochen habe, meinten, ich solle eine Nacht im KH bleiben. Also tucker ich um 6:30 früh, nüchtern und sehr nervös, mit meinem Köfferchen in das KH. Aufnahmegespräch, Bettzuweisung, ausziehen, Krankenhaushemd, Wegwerf-Höschen und Thrombose-Strümpfe anziehen. Danach war ich schon ziemlich müde - ich vermute, die machen das absichtlich.
Zugang legen: "Ist das einfach bei Ihnen?"
"Ich bin Blutspenderin, bisher hat sich noch niemand beschwert."
"Ihre Venen sind aber sehr dünn, pumpen Sie mal kräftig."
Ich pumpe. Und pumpe. Und pumpe.
"Oh, jetzt sprudelt's aber, hören'S auf zu pumpen." Und dann spür ich, wie sie meinen Arm abwischt. Ich hab ja gesagt, ich wäre Blutspenderin. Das Bett war versaut auf der linken Seite.

Der junge, emotionslose Arzt ist wieder da, stellt mir noch ein paar Fragen und hängt mich an den Tropf. Ich bekomme diverse Medikamente. Ob diese berühmten Wurschtigkeitspillen dabei sind, kann ich nicht sagen. Denn, wurscht ist es mir keineswegs, ich kann nur plötzlich nicht mehr flüssig sprechen. Nur ... noch ... sehr ... langsam. 

Man nimmt mir Brille und Teddy ab und fährt mit mir Richtung OP-Raum. Einerseits kann ich nicht mehr viel sehen (stark kurzsichtig), andererseits bin ich benebelt und hab ziemliche Angst.
"Die Frau HimBär ist da!" Zwei Köpfe beugen sich über mich, eine Frau und ein Mann. Der Mann stellt sich als Pfleger Erzengel (Name der Redaktion bekannt) vor. Ob alles in Ordnung ist, wollen sie wissen. Angst hab ich, weil das meine erste OP ist. Der Pfleger nimmt meine Hand und sagt, dass ich keine Angst haben muss. Er lässt sie übrigens nicht mehr los, meine Hand. Er hält sie, bis die Narkose mich ummantelt hat. Ich bin ihm noch heute dankbar dafür. 

Ob ich noch eine Frage habe. Frage habe ich keine, aber "bitte... die Ärztin beim Vorgespräch... hat gesagt... sie muss nicht... so aufpassen... weil ich... ich schon 40 bin... aber... ... bitte... ... behandeln Sie.... meine Gebärmutter.... wie eine.... eine... 20-jährige" (das raus zubekommen, war Schwerstarbeit) Beide zerkugeln sich vor Lachen und versichern mir, dass sie das weiter geben und aufpassen werden, dass meine Gebärmutter wie eine 20-jährige behandelt wird. Dann werde ich weiter gerollt (ich höre sie immer noch kichern) ein junger Anästhesie-Assistenzarzt beugt sich über mich. Ob ich zur Narkose noch eine Frage habe. Nein. Aber "...mein Kiefer knackst.... links... knackst er.... beim Mund.... aufmachen.... das.... das ist normal" Er sagt er wird darauf aufpassen.
Dann kommt ein großer Arzt herein, stellt sich als Primarius wasweißich vor, sucht meine Hand unter all den Tüchern und Heizdecken, die man zwischenzeitlich um mich gelegt hat. Er scheint gut gelaunt zu sein. Ich glaube, gut gelaunte Ärzte sind gut. Die riesigen, hellen Lichter über mir machen mir Angst. Mein Erzengel hält noch immer meine Hand. Der Anästhesist legt die Maske auf meinen Mund und sagt "atmen Sie ganz ruhig ein und aus, Frau HimBär". Ich atme ein. Ich spüre wie er zittert. Hat er auch Angst? Ist das auch seine erste OP? Ich atme aus.
"Guten Morgen Frau HimBär! Haben Sie gut geschlafen? Die OP ist komplikationslos verlaufen und ich kann Ihnen versichern, wir haben Ihre Gebärmutter wie eine 20-jährige behandelt." Mein Erzengel tätschelt mir die Hand. Mir kullern Tränen runter. Ich kann nichts dagegen machen. "Ohje, Frau HimBär, ist alles in Ordnung, haben Sie Schmerzen?" "Bissi" "Das kriegen wir gleich hin." Dann dröhnt er mich so zu, dass ich mich den Rest des Tages kaum noch von den Schmerzmitteln und der Narkose erhole. Es geht mir keineswegs schlecht, ich fühle mich nur gerädert, erschlagen und kaputt. Den Rest des Tages bin ich im Halbschlaf dahin gedämmert. 


Der übrige Tag verlief relativ ereignislos. Zum Mittagessen bin ich aufgewacht und hab es praktisch inhaliert, weil ich so hungrig war. Später am Nachmittag hab ich verstanden, dass es durchaus möglich ist, den Arm, in dem der Zugang steckt, abzubiegen. Obwohl ich zwischendurch geträumt habe, die Nadel würde sich einfach durchstechen und die Krankenschwestern wären deshalb etwas ratlos. Man hat mir dann Tage später erklärt, dass das, was da drin steckt, keine Nadel, sondern ein Schlauch ist. Daher kann man ihn auch abbiegen. Ja, sowas sollte man bei OP-Gesprächen auch dazu sagen. Kann ich ja nicht wissen. Und ich hab mich so geplagt, mich aufzusetzen, weil ich den Arm nicht abbiegen wollte...

Irgendwann meint die Schwester zu mir, nach dem Abendessen könne ich heim. Das überrascht mich jetzt ein wenig, weil mir doch drei Ärzte zuvor gesagt haben, es wäre ihnen lieber, ich bleibe eine Nacht. Naja, natürlich kann ich eine Nacht bleiben, sie werfen ja niemanden raus, aber normalerweise ist es schon so, dass alle nach der OP wieder heim gehen. Aber man hat mir gesagt, ich soll bleiben.
Aber sie hat die Information, ich gehe.
Aber ich hab ein Köfferchen mit. Ein Buch neben mir liegen. Hausschuhe unterm Bett. Ob sie glaubt, ich nehm das alles nur für ein paar Stunden mit.
Natürlich wirft man mich nicht raus, aber...
Ja, von mir aus. Ich ruf Papa an und sag ihm er soll mich am Abend holen.
Das Abendessen inhaliere ich auch noch. Unglaublich, wie hungrig so eine 45min-Vollnarkose macht. Dann rede ich noch mit dem Stationsarzt und frage, worauf ich noch achten muss.
Er hat gehört, ich wolle bleiben. Natürlich wirft man mich nicht raus, aber normalerweise...
...ist es schon so, dass alle nach der OP heim gehen. Ich weiß und da ich jetzt ohnehin schon angezogen bin, können wir das lassen und nur schnell besprechen, wie es weiter geht, weil so lange rum stehen kann ich wirklich nicht.
Ja, also, sie wollen mich sicher nicht rauswerfen. Ich darf (!) heim unter folgenden Bedingungen:
"Sie fahren nicht selber und nicht alleine heim" - "Ja, Papa steht schon und wartet"
"Sie sind heut Nacht nicht allein" - ... ... 

"Sie sind heut Nacht nicht allein!" - ... ..."Frau HimBär, Sie sind heut Nacht nicht allein?" - "Äh... reicht's wenn das Telefon am Nachtkastl liegt?"
Er scheint nicht glücklich. *Jetzt* will man mich offensichtlich doch nicht gehen lassen...?!
"Wie schnell dauert das, bis jemand bei Ihnen ist?"
"Naja, je nachdem wie schnell meine Eltern wach sind, wenn ich anrufe."
"Sie sind also alle in einem Haus?"
"Nein."
"... Frau HimBär? Sie dürfen heute Nacht nicht allein sein..."
Jetzt werde ich ungeduldig. Zuerst will man mich raus haben und dann muss ich stundenlang am Gang rumstehen und meine Wohnsituation mit einem viel zu gutaussehenden Arzt besprechen. Wäre ich etwas munterer (und hätte keine Brille auf gehabt, wäre nicht ungeschminkt und frisiert und überhaupt nicht auf einer gynäkologischen Krankenhausstation), hätte ich ihm vermutlich vorgeschlagen, mich zu begleiten.
Jaja, wir machen das schon, keine Panik. Was noch?
"Zwei Wochen keine Vollbäder" - "ok"

"Kein schwimmen" - "ok"
"Kein Sex" - ... ...
"Kein Sex!" - ... ...
"Frau HimBär? Kein Sex!" - "Herrjee, ja! Ich bin Single, *das* ist die leichteste Übung."
Er grinst. Ich darf jetzt gehen.


Freitag Abend. Ich hab dann bis ca. Sonntag Abend geschlafen. Mit kurzen Unterbrechungen (und die folgenden zwei Wochen habe ich mich selbstverständlich vorbildlich an alle Vorgaben gehalten!)

Meine allererste OP. Alles in Allem eine spannende (diese Sache mit der Vollnarkose finde ich immer noch faszinierend) und - dank der Protagonisten - eine sehr gute Erfahrung (bis auf die Ungeheuerlichkeit im Vorgespräch). 
Es ist alles gut verheilt, übrigens. Und die zwei Wochen sind seit einigen Wochen vorbei... Ich war schon schwimmen!

Dienstag, 17. Mai 2016

Toll!edo

Ein Freund riet mir also, wenn ich schon in Madrid wäre, sollte ich unbedingt einen Ausflug nach Toledo machen. Kurz mal gegoogelt und *schwupps* auf die Liste gesetzt. Etwas mehr davon gegoogelt und überlegt, ob ich nicht die meiste Zeit einfach in Toledo verbringen und nur einen Tagesausflug nach Madrid machen sollte... dann hätte ich alles bisher geplante und gebuchte zwar umwerfen müssen... Nein, ein Tag muss reichen. (Reicht auch). (Aber der darf nicht so viele Pausen enthalten). (Und man sollte starke Beinchen haben). 

Am Bahnhof ein (sehr teures) Zugticket nach Toledo gekauft, den Schildern gefolgt und vor einem Security Check wie am Flughafen stehen geblieben. Dort stand, dass man keine Messer mitnehmen dürfe. Ich hatte - wie immer - mein Taschenmesser dabei. Blöd. Aber durch gekommen. Der Schnellzug ist wirklich schnell in Toledo. In einer halben Stunde ist man dort. Steigt aus und zieht vor Überraschung gleich mal die Luft ein. Bahnhof im Mudejar-Stil. Nachgebaut, aber wirklich hübsch. Eine Straßenkarte (die ich nicht verwendet habe) für 2€ gekauft und überlegt, ob ich nun zu Fuß den Massen folge oder doch mit dem Bus in die Altstadt hinauf fahre. Lieber zu Fuß. Aber nicht den Massen nach. Die hatten ja keine Ahnung, wohin und ich war sicher, sie gingen in die falsche Richtung. 

Bei der Gelegenheit sollte ich noch kurz erwähnen, dass ich es zwar Straßenkarten lesen kann, aber mit der Orientierung hapert's meist. Eine Einheimische gefragt, ob ich noch am richtigen Weg bin. Ja, ich müsse nur über die Straße, über die Brücke und dann viele Stufen hinauf. Ach bergauf. Klar. Toledo thront auf einem Felsen, um den sich der Fluss Tajo tief in die Schlucht darunter windet. Na gut, ich würde es überleben. Und dann lag da Toledo vor mir. Schon beeindruckend. Zusammen mit Segovia und Avila gehört Toledo zu den drei historischen Metropolen Spaniens und ist UNESCO Weltkulturerbe. Hier haben viele Jahrzehnte lang Christen, Juden und Moslems (mehr oder weniger) friedlich nebeneinander gelebt. Und v.a. die Mauren haben viel da gelassen, was man immer noch sehen und erleben kann. z.B. soll Marzipan in Toledo erfunden worden sein bzw. haben die Araber die Handwerkskunst der Einlegearbeiten in Gold und Silber hinterlassen oder wie man Messer und Klingen schmiedet. Alles kann man dort auf kaufen (wie man allerdings mit einem mannshohen Schwert durch den Security Check am Bahnhof kommt, kann ich mir nicht erklären. Ich hatte schon Angst, dass sie mir mein Taschenmesser und das kleine, für PapaBär gekaufte, Messer abnehmen - fyi ich bin mit beiden wieder durch gekommen). 

Über die Brücke und die Stufen hinauf. Und noch mehr Stufen hinauf. Und noch weitere Stufen hinauf. Röchelnd bin ich endlich angekommen und stand am Zocodover-Platz. Ich war da. Und weil ich nicht die Schnellste bergauf bin, hab ich gleich mal die Kathedrale gesucht, damit ich die als erste erledigen kann. Denn schon mein Reiseführer hat ihr drei Seiten gewidmet. Eine gotische, fünfschiffige Kirche, die unglaublich riesig ist. Der Südturm ist unvollendet (erinnert uns das an was?) und hat ein Barock-Hauberl auf. Innen reiht sich eine Kapelle an die nächste mit viel Gotik, etwas Barock und dem Altar und Chorgestühl aus der Renaissance. Alles in Allem habe ich fast 3Std darin verbracht. Was für ein Gebäude! Glücklicherweise hatte ich mein Retour-Ticket für den späteren Zug gekauft.

Wieder im Sonnenlicht draußen, hieß es jetzt ein wenig die Beine in die Hand nehmen, wenn ich den Großteil Toledos noch sehen wollte. Den Alcazar habe ich bewusst ausgelassen, weil er in seiner jetzigen Form sehr jung ist (in einer jüngeren Schlacht quasi explodiert und daher neu gebaut) das eine oder andere musste ausgelassen werden, weil ich es nicht gefunden habe - man verläuft sich sehr schnell in den engen Gassen, v.a. wenn man den Kopf ständig oben hat. Ich habe mir die Kirchen und Gebäude raus gesucht, die lt. meinem Reiseführer im Mudejar-Stil, mit Artesonado-Decken oder sonstwie arabisch waren. Und die eine, die mich schon beim Lesen faszinierte, die Weiße: Santa Maria la Blanca. Eine ehemalige Synagoge, mit 28 blendend weißen Hufeisenbögen und Kapitellen in Pinienzapfenform. Die Hufeisenbögen hatten es mir angetan. Bisher hatte ich ja noch nie wirklich maurisch/arabisches gesehen und dieser Mudejar-Stil hat es mir besonders angetan. 

Nach einigen anderen Backsteintürmchen haben ich sie gefunden und vor lauter Bewunderung gefühlte 200 Fotos allein davon gemacht, während ich 1Std drinnen am Boden sitzend verbracht habe. Obwohl es dort nichts weiter gibt, als die Hufeisenbögen. Aber, was für Bögen. Wow. Sowas hatte ich wirklich noch nie gesehen. Eigentlich wollte ich dort nicht mehr raus, aber ich hatte erst so ein Drittel dessen gesehen, was ich mir vorgenommen hatte, ich musste also wieder raus. Aber, hab ich schon "wow" gesagt?

Weiter getrollt. Auf der Kirche des Klosters San Juan de los Reyes, hat eine der beiden Isabellas (sorry, vergessen, welche - lest selbst nach) die Ketten der Christen montieren lassen, die aus maurischer Gefangenschaft befreit wurden. Angeblich. Die Kirche, sowie das Kloster sollen sehr schön sein innen, aber ich hatte dafür keine Nerven mehr. Und keine Zeit. 
Auf meiner Suche nach einem weiteren Backsteinturm einer Kirche im Mudejar-Stil (und nach einem Bankomaten) hab ich mich total verlaufen. Da rolle ich langsam bergauf, den Blick fest in meinen Reiseführer gerichtet, in Gedanken versunken, merke ich im letzten Augenblick noch, dass ich fast jemandem rein laufe, schnell ein "Sorry" gemurmelt, eleganten Haken geschlagen, kurz nach oben geblickt, dann wieder in den Reiseführer und dann... Moment! Den Typen kenn ich doch?! Umgedreht, ihm nach gestarrt und überlegt. Das ist doch der Schauspieler. Also einer. Der halt. Wenn mir nur einfallen würde, wie er heißt. Ich komm nicht drauf. Soll ich nach einem Foto fragen? Aber kommt das gut, wenn ich nicht weiß, wie er heißt?! Vielleicht doch nicht, aber cool wär's. Wenn ich halt wüsste, wer er ist.
Und während ich so überlege, trottet er langsam seines Weges, um die Ecke und weg war er. Chance verpasst. Wer auch immer er war. Aber sicher jemand halbwegs bekannter. Weil er mir so bekannt vor kam.
Es sollte ca. noch eine Woche dauern, bis ich dahinter kam, dass ich fast Ray Liotta umgerannt habe. Ray Liotta! Und ich Trottel hab nicht nach einem Foto gefragt! *seufz* (Ja, es war definitiv er. Er war zur Promotion eines Filmes in Madrid und hat wohl - so wie ich - einen Tagesausflug gemacht.)



Es wurde langsam Zeit, etwas schneller zu machen, der Abend nahte und damit auch meine Abreise. Aber da war noch die eine Kirche zu suchen: El Cristo de la Luz. Sozusagen das Spiegelbild der wechselvollen Geschichte Toledos - die super-maurisch-westgotisch-römisch-christliche Kirche. Eine ehemalige Moschee, die jetzt Museum ist - und zu dem Zeitpunkt, zu dem ich dort war, natürlich schon geschlossen war. El Cids Pferd soll bei seiner Eroberung Toledos vor ihr in die Knie gegangen sein und in ihren Mauern soll eine Kerze mit einem Holzkreuz (oder einer Jesusstatue) all die Jahre der maurischen Herrschaft gebrannt haben. Es gäbe an und in ihr so vieles zu sehen, was noch römisch, westgotisch und maurisch ist, aber irgendwie schien sie nicht nur Museum (und geschlossen) sondern auch unter Renovierung zu sein. Leider habe ich weitaus weniger davon gesehen, als ich mir erhofft hatte... 

Nun gut, es war ohnehin an der Zeit, langsam Richtung Bahnhof aufzubrechen, also habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Ich musste ja schließlich noch die vielen, vielen Stufen hinab steigen, das würde dauern. Und die waren am anderen Ende der Stadt von da aus gesehen, wo ich gerade war. Am halben Rückweg, habe ich Menschenmassen in ein neues Gebäude verschwinden sehen. Und noch bevor ich richtig darüber nachgedacht habe, bin ich ihnen gefolgt. Es würde sich ausgehen, sollte es eine falsche Richtung sein, nochmal umzudrehen. Aber es musste ja einen Grund haben, warum so viele Menschen dorthin gehen. Den hatte es. Da waren Rolltreppen. Den ganzen verdammten Berg hinunter (und logischerweise auch hinauf) gab's Rolltreppen! Rolltreppen!!
(Der Hintergrund: sie führten in eine in den Fels gehauene Garage, oder eben auch hinaus.) Rolltreppen. Und ich hab mich die vielen Stufen hinauf gequält, weil ich den Menschenmassen nicht nachlaufen wollte... 


Und gut war's, dass Rolltreppen runter führten. Ich war nämlich schon so fertig, dass ich nach der Ankunft in Madrid (nicht ohne Blut und Wasser beim Security Check am Bahnhof in Toledo zu schwitzen, weil ich diesmal zwei Messer in der Tasche hatte) kaum noch die Straße bergauf ins Hostal geschafft habe. Irgendwie und sehr sehr langsam habe ich es geschafft. Und umg'schaut ins Bett gefallen. Was für ein anstrengend schöner Tag. Toll war's in Toledo. 

Der letzte Tag war angebrochen. Langsames Frühstück mit extra viel Speck und dann noch 2Std in Madrid spazieren. Einfach so, ohne Kamera, ohne Reiseführer, nur mit Handy herum trollen. Beim herum Trollen in eine Absperrung gelaufen. Mit vielen Menschen in lustigen Uniformen auf Pferden und neben Pferden und Hörnern, auf denen sie geblasen haben (die Menschen, nicht die Pferde) und einer Kutsche, die langsam vorbei fuhr. Ich bin ja ziemlich sicher, dass ich da den König gesehen habe, während die Rezeptionistin im Hostal meine Illusion mit einem "No, he use normal car." zerstören wollte. Ich bleib dabei. Das war Felipe. Passt, guter Abschied. Wenn schon der Start nicht so aufregend war. 

Mit dem Zug zum Flughafen - der übrigens sehr groß ist. Also sehr groß. Und unübersichtlich. Und Richtung Gate gewandert. Dabei 100%ig dreimal im Kreis gelaufen, ischwör ich bin einfach den Schildern nach gegangen, irgendwann in eine Art U-Bahn gestiegen, die mich zu meinem Terminal brachte und dort in der toten Zone des Flughafens gelandet. Dort gibt es nämlich nichts mehr. Absolut nichts. Bis auf einen Kaffee- und einen Snack-Automaten. Sonst nichts. Nada. Niente. Ein guter Tipp zum Abschluss: Terminal T4S (der Abflug-Terminal von Iberia) ist Service-Wüste. Versorgt euch mit Getränken und Essen *bevor* ihr in die lustige, kleine U-Bahn steigt. Weil am 3Std-Flug mit Iberia gibt's dann auch nix...

Ach ja, ich hab in den 4 Tagen 1kg abgenommen. 


Madrid Teil1
Madrid Teil2

Fotoalbum

Montag, 16. Mai 2016

HimBär trifft ErdBär... und wird pudelnass

Nachdem ich endlich mein nicht so superes Zimmer bezogen hatte, in dem ich nicht so super glücklich war, hab ich mich mal ein Stündchen aufs Ohr gelegt. Ich war seit drei Uhr früh wach und konnte mich kaum noch auf den Beinen halten...
In dem Stündchen habe ich leider auch das Sonnenfenster verpasst, aber das hätte eh nichts mehr zu meiner Laune beigetragen. 

Was gibt es über Madrid zu sagen? Es ist die Hauptstadt Spaniens und wie ein Bekannter so richtig ausgedrückt hat "eine künstlich geschaffene Hauptstadt". Madrid hätte aufgrund seiner Geschichte (westgotisch, arabisch, die Habsburger haben regiert, die Bourbonen) vieles an interessanter Architektur zu bieten, hat aber leider fast alles kaputt geschliffen und neu gebaut. Hätte man ein bisschen Maurisches da gelassen, wäre es schon viel interessanter, aber so... wie z.B. in Amsterdam, München oder Berlin gibt es keine "klassischen" Sehenswürdigkeiten. Was verstehe ich unter "klassischen Sehenswürdigkeiten"? Dinge, die man gesehen haben "muss/sollte". Den Eiffelturm, die Sagrada Familia, den Stephansdom, den Markusplatz, den Hradcany, die Engelsburg, die Karlsbrücke, den Tower, den Louvre, die Freiheitsstatue, Haight-Ashbury, den Park Güell, die Fontana di Trevi, die Akropolis, den Vatikan,... you get it. 
Leider ist aber Madrid als Ganzes gesehen, auch keine Sehenswürdigkeit, geschweige denn lieblich, nett, hübsch, mit besonderem Flair wie z.B. Passau oder Krumau. Ich lasse mir gerne einreden, dass man in Madrid gut leben feiern kann, aber "sehenswert", so wie ich es verstehe, ist es nicht. 
Wohingegen man sagen muss, dass die Madrilener fast durchgängig ein sehr nettes, redseliges und freundliches Völkchen sind. Ich bin kaum - bis auf den U-Bahn-Angestellten gleich bei der Ankunft - auf unfreundliche Menschen gestoßen. 

However, ich war da, ich bin los spaziert. 

Laut meinen Reiseführern sind die großen Plätze Madrids ja die sehenswertesten. Hmm... ich habe sie mir angesehen. Die meisten davon zweimal. Und ich finde sie wenig aufregend. Ich kann eben Plätzen, die rundum keine alte Architektur zu bieten haben oder wenigstens lauschig sind, nicht wirklich viel abgewinnen. Plaza Mayor ist riesig und rundum von Restaurants, Kaffeehäusern und Souvenirläden umgeben, aber sonst ist er langweilig. Plaza Puerta del Sol ist schlichtweg hässlich. Dort ist der Nullpunkt Spaniens und der Erdbär. Sonst geistern zwielichtige Gestalten umher. Plaza Espana ist auch unglaublich hässlich, v.a. wegen der größenwahnsinnigen Bauten Francos dahinter. Und warum der Plaza de Cibeles so hoch gejubelt wird, ist mir ein Rätsel. Er ist stark befahren, das dominierende Gebäude ist grauenhaft neugotisch und warum ein Brunnen der Kybele dort steht, kann tatsächlich keiner erklären. Zumindest konnte ich es noch nicht heraus finden.
Madrid hat dann noch einige Puertas/Torres, die leider so gut wie alle klassiziert oder barockisiert wurden und daher auch nicht wirklich was hergeben (und auch alle an stark befahrenen Straßen stehen). 

Der Königspalast ist leider auch Klassizismus, aber nicht aus Spaniens Schuld (sagen wir mal), weil ein Feuer im 18. Jhdt das dortige, maurische Schloss zerstört hat *seufz*. Daher neu gebaut. Gegenüber steht die neue und an Scheußlichkeit kaum zu überbietende, Kathedrale Almudena (in der Felipe und Letizia geheiratet haben). Die ist, außer riesig, gar nix. Dahinter sieht man noch ein paar einzelne Steine der einstigen, maurischen Stadtmauer und das war es dann schon mit den arabischen Hinterlassenschaften in Madrid. Da und dort gibt es ein Kircherl, deren Turm im Mudejar-Stil ist (die meisten aber nachgebaut), es gibt noch eine Straße, die dem mittelalterlichen Mauergraben folgt, auf der Gran Via stehen einige Jugendstilbauten, die interessanterweise von meinen (drei!) Reiseführern kaum erwähnt werden und dann hat Madrid noch ein paar riesige Parkanlagen, das einzige Denkmal weltweit, das dem Teufel gewidmet ist, nette Straßenschilder, einen richtigen, ägyptischen Tempel, viele Balkone und einige Museen, das bekannteste unter ihnen: der Prado. Dorthin bin ich auch am nächsten Tag geflüchtet, weil es immer noch so kalt und noch viel nasser war. Inklusive Taschenmesser im Handtascherl. Durch den Security Check. Ich vergess es halt immer... 

Am dritten Tag wollte ich eigentlich einen Ausflug nach Segovia machen. Ursprünglich wollte ich auch zum El Escorial, hab den aber dann aufgrund zu viel Museums-Charakter wieder ad acta gelegt. Dann hat mich frühmorgens etwas aufgehalten und als ich mich dann endlich aufraffen konnte, das Bett zu verlassen, war es schon Mittag. Außerdem hat endlich die Sonne geschienen. Also blieb ich noch einen Tag in Madrid und bin einfach so umher gewandert. In das eine oder andere Viertel (von dem ich froh war, dort doch keine Unterkunft gebucht zu haben) und habe mir Zeit gelassen. Ja, Madrid ist netter bei Sonnenschein, so ganz überzeugen konnte es mich aber auch in diesem Licht nicht mehr. Einmal bin ich noch nach Einbruch der Dunkelheit raus, um meine obligatorischen Nachtfotos zu machen, aber weit bin ich nicht gegangen. Einerseits war es auch Nachts nicht schöner anzusehen, andererseits waren teilweise einige zwielichtige Gestalten unterwegs. 

Am vorletzten Tag stand ein Ausflug nach Toledo am Programm. Glücklicherweise hat mir ein Freund geraten, unbedingt dorthin zu fahren und, was soll ich sagen: Danke, das hat meinen Aufenthalt gerettet! 

Fortsetzung folgt
Madrid - Teil1

Fotoalbum

HimBär trifft ErdBär ... mit Anfangsschwierigkeiten

Eigentlich wollte ich ja nach Lissabon, aber dafür waren mir die Flüge zu teuer. Also Google Maps aufgemacht, auf Europa gezoomt und geschaut, welche Städte in der Nähe ich noch nicht kenne (es sind derer noch viele). Eine Stadt per Flugzeug zu erreichen, war das Ziel. Vielleicht in den Norden? Anfang April ev eine Spur zu kühl, also eher in den Süden. Nicht schon wieder Italien. Spanien? Madrid fehlt noch. Reizt mich nicht so, aber was soll's. Flüge gecheckt, günstige gefunden, Hotel gecheckt, ja geht so, Flüge gebucht. Iberia fliegt in 3 Stunden dorthin. Ohne Essen. Ohne Snacks. Sollte man vorher wissen. 
However, Flug war gebucht, einige Hotels reserviert (glücklicherweise lässt booking mehrere Reservierungen zur gleichen Zeit in derselben Stadt zu), aber irgendwie nur halb glücklich mit meiner Auswahl. Nun gibt es da so eine Sache, die ich auch erst lernen musste: überall in Spanien (in meinem Fall Madrid) reiht sich ein "Hostal" an das nächste. Dazwischen nur ganz wenige "Hotels" und die - für meine Begriffe - etwas zu teuer. Ich bin 40. Mit dem Übernachten in Hotels habe ich erst sehr spät begonnen (wie mit fast allem in meinem Leben, aber das ist eine andere, abendfüllende Geschichte), zuvor war ich ja meist in GB und da fast immer bei host families oder Freunden. Mit der Schule war ich zweimal in einer Jugendherberge, einem Hostel. Da war ich noch jung, da hatte ich außerdem keine Wahl, da war das ok. Seit ich aber begonnen habe, in Hotels zu übernachten, bin ich auf den Geschmack des mich bedienen lassens gekommen (mit ein Grund, warum ich AirBnB auslasse). Ich mag es, wenn das Zimmer hergerichtet ist, wenn ich abends zurück komme und ich liebe Frühstücksbuffets, v.a. wenn sie Speck haben (was für ein Jammer war das für mich in Istanbul). Für mich steht und fällt eine gute Reise in gutem Hotel mit dem Frühstück(sspeck). Der Gedanke an ein Hostel, in dem man ev. das Badezimmer teilen muss (mit fremden Menschen!), wo kein Frühstück angeboten wird, das Zimmer nicht gemacht wird, man ev. sein Bett selber überziehen muss, die übrigen Gäste vermutlich sehr laut sind und man nicht ordentlich schlafen kann, hat mich schaudern lassen. Ja, call me egoistisch oder verkorkst, aber ich lebe alleine in einem Haus, ich find's nett, wenn man mich hin und wieder bedient. Ich zahl ja auch dafür. Also irgendwann dachte ich mir: "Das gibt's doch nicht, warum ist Madrid voll von Jugendherbergen (i.m.F. Hostal) aber hat kaum Hotels? Da stimmt doch was nicht." Richtig. Das stimmte nicht. Weil Wikipedia mich dann aufgeklärt hat: ein HostAl ist nicht ein HostEl. Zumindest nicht in Spanien. Ein Hostal ist ein Mittelding aus Hotel und Hostel, kommt einem B&B nahe. Es gibt keine Schlafsäle, ist aber klein und eher familiengeführt und hat meist noch eine Bar oder ein Café integriert. Es gibt auch Sternen-Ratings unter den Hostals. Die sind mit denen der Hotels nicht zu vergleichen, aber es ist ähnlich. Und sie sind eben günstiger als Hotels. Aber nicht so billig wie Hostels. 
Alles klar! Damit war es dann getan. Ein Hostal mit (sehr gut bewertetem Frühstück) im Stadtzentrum ausgesucht und nun konnte es losgehen. Selbstverständlich nicht, ohne meine Reiseführer vorher auswendig gelernt zu haben. 

Um halbwegs günstig davon zu kommen, habe ich einen 7-Uhr-Hinflug genommen. 2Std vorher am Flughafen sein (lieber vorsichtig, wegen der intensiven Security Checks zur Zeit), ca. 1,5Std Anfahrt, ja, das ist verdammt früh. Also echt früh. Viel zu früh. Kurz überlegt, ob ich von Wien öffentlich auf den Flughafen fahre, was noch länger gedauert hätte, aber dann doch für ein Taxi entschieden. Geb ich halt ein bisserl mehr aus (es sollte dann noch mehr werden, weil vor kurzem eine Anonymverfügung ins Haus geflattert kam *hüstel*). Das erste Taxi-Unternehmen hat meine Anfrage abgelehnt - zu viele Fuhren um 4Uhr früh - das zweite hat sich erst mal gar nicht gemeldet. Nach Nachfrage, fragten sie nach, ob ich ev. statt um 4:30 schon um 4:15 abgeholt werden könnte. Hmpf. Noch früher. Na gut, 4:15 wäre machbar. Ich hab's auch tatsächlich auf die Minute geschafft (hier eine kurze Erinnerung an die Anonymverfügung) und sah schon den Taxler nervös auf und ab gehen: "Ich bin doch eh pünktlich, oder?" Meint er, nein. Ich wäre zu spät. Er ist total nervös, treibt mich an, die halbe Taxifahrt haben wir diskutiert, ob ich zu spät oder pünktlich wäre. Ich hab gewonnen. Chefin hat mir 4:15 geschrieben. Chefin hat ihm 4:10 aufgeschrieben. Wir haben's beide schriftlich. Chefin hat nicht dran gedacht, dass Gästin auf die Minute genau erscheint. Tja. Not my problem. Aber er war dann sehr nett und hat sich ein paar Mal bei mir entschuldigt, was ich mit einem Trinkgeld gut geheißen habe. Wir sind als Freunde auseinander gegangen.  

Viel zu früh am Flughafen. Koffer eingecheckt (für 4 Tage bei nicht so aufregendem Wetter, wollte ich auf Nummer Sicher gehen). Durch den Security Check, der problemlos rasch ablief (also dort noch - sollte sich später ändern), zum Gate, noch eine geraucht, einen deutschen Touristen davon abgehalten, um 5:30 Uhr mit mir zu flirten, hingeknotzt und gelesen. 
Hier möchte ich mal kurz die Eincheck-Abfolge der Billigflieger ansprechen. Ich verstehe nämlich ehrlich nicht, was so schwierig daran ist. Zuerst kommen die dran, die viel gezahlt haben und Kinderwägen- und Rolli-Fahrer und danach erfolgt es in Gruppen, die entweder mit Buchstaben oder mit Ziffern gekennzeichnet sind. Und logischerweise wird das Flugzeug von hinten nach vorne "aufgefüllt". Nun versteht man meist die Durchsagen des Bodenpersonals nicht, aber man kann es auf der über ihnen angebrachten Anzeigetafel nachlesen. Man sieht auf seinem Ticket nach, da steht die Gruppe (in meinem Fall auf Spanisch, aber ich habe - ohne Spanisch zu können - messerscharf geschlossen, dass "Grupo A" "Gruppe A" heißen muss) und dann wartet man, bis man dran ist. Es macht keinen Sinn zu drängeln, wenn die Gruppe noch nicht dran ist, lassen sie einen ohnehin nicht einsteigen und der Flieger wird schon nicht vor den Augen davon sausen. Also warum immer diese Hektik?! 

Endlich im Flugzeug, die Augen kaum noch offen halten können, hoffen, dass es wenigstens Snacks gibt, eingeschlafen, immer wieder hoch geschreckt, hab ich die Snacks verpasst?, wieder eingeschlafen, endlich angekommen, ohne Snacks, verdammt, doch verpasst, Koffer geholt, Richtung Öffis gerollert und schon vor dem ersten Problem gestanden: Nicht nur in Wien sind die Ticketautomaten für viele unlösbar, auch in Madrid isses nicht so leicht, wenn man U-Bahn fahren will. Man kann zwar die Sprache umstellen, aber woher zum Teufel soll ich wissen, wie viele Zonen ich brauche und warum man Zonen mit oder ohne einem Bonus nehmen soll und überhaupt?! Keine Erklärung, kein gar nix.
Kurz den Ticketautomaten der Züge gecheckt: nein, dort kann man nicht mal die Sprache umstellen. Na großartig, wie komm ich jetzt in die Stadt?!
Also einen Madrilenen gefragt, ob er Englisch spricht und mir helfen kann. Sein Englisch war eigentlich ziemlich gut, er hat nur wahnsinnig schnell und viel gesprochen und am Ende konnte ich nur raus filtern: nimm den Zug statt der U-Bahn. Was mich jetzt ein wenig unrund gemacht hat, weil ich mir in meiner Vorbereitung überlegt habe, die U-Bahn sei die richtige Wahl.
Ah, ein U-Bahn-Angestellter! Auf ihn zugesteuert, gefragt, ob er Englisch spricht: No. Und weg war er. Was zum.... ?!
Also zum Schalter für die Züge und mir von den zwei jungen Damen drinnen erklären lassen, dass ich grad den Zug verpasst hab, eine halbe Stunde auf den nächsten warten muss, welches Ticket ich kaufen muss (eines mit so einer Zusatzzahlung, weil man damit den Flughafen mitsponsern muss) und dass alles eine Stunde dauern wird. Hmpf, Grml. 


Am Atocha-Bahnhof ausgestiegen und keinerlei Orientierung gehabt, wohin ich muss. Ein paar Mal im Kreis gelaufen, bis ich die Wartehalle mit dem kleinen Regenwald entdeckt habe und endlich die richtige Straße gefunden habe. Bergauf. Und ich war schon so müde. Endlich bin ich in meinem Hostal angekommen. Mein Zimmer war noch nicht fertig, also habe ich was im Burger King nebenan gegessen, dann mein Zimmer bezogen und war mal schwer enttäuscht, weil es echt hässlich war. Das Badezimmer so klein, dass man kaum auf der Klomuschel sitzen konnte, im Bett und am Boden lagen noch Haare herum, im Bad eine große Wasserlacke - von der ich später bemerkte, dass sie vom Klo und von der Waschmuschel kam - glücklicherweise haben sie es am zweiten Tag repariert. Es gab einen Safe, den man mit einem Euro füttern musste, den man aber nicht wieder bekam, das Fenster ging auf einen Lichthof - was mir prinzipiell egal ist, in dem Fall hat es halt leider zur Summe der Unanehmlichkeiten beigetragen. Das Bett hatte ein Leintuch und eine grausliche Wolldecke zum Zudecken. Draußen war es kalt und regnerisch. Alles in allem, kein guter Start für Madrid und mich, um ehrlich zu sein. Ich war ein bisschen unglücklich. Aber was soll's, da musste ich nun durch.

Fortsetzung folgt

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Sonntag, 13. März 2016

WeltkulturerBÄR Krumau

Nach zwei Tagen Passau, folgten zwei Tage Böhmisch Krumau oder Cesky Krumlov (ja, da
gehören Haceks hin, ich kann das aber nicht). Geplant war eigentlich direkt von Deutschland hinüber nach Tschechien zu fahren, aber - wie so oft - hatte mein Navi etwas anderes im Sinn...
PapaBär hatte zuvor netterweise dafür gesorgt, dass ich keine Strafen zahlen muss, sollte man mich in CZ aufhalten: man braucht nämlich extra Lamperl für's Auto mit und eine Vignette haben die auch - hätt ich ehrlicherweise vergessen. 

Wie in Deutschland, hab ich ständig auf den Grenzübergang gewartet, während ich halb den Schildern gefolgt und halb auf's Navi gehört hab. Und plötzlich war er da. Und auch schon wieder vorbei. Und ich hab die Panik bekommen, dass ich keine Vignette hab, man mich aufhält und... und da war eine Tankstelle. Gleich mal gestoppt und nach einer Vignette gefragt. Sehr freundlich war die Dame nicht, aber das hat mich dann zumindest gleich auf Krumau eingestellt... 

Um nach Krumlov zu kommen, fährt man durch viel Wald. Und viel Wiese. Und noch mehr Wald. Weil es Ende Oktober war, hat es besonders schön ausgesehen. Und auch hier wieder fahr ich um eine Kurve und dann liegt da vor mir Cesky Krumlov. Nur noch die Pension finden - leicht. Nicht so mein Geschmack, aber sauber, freundlich, mit guter Lage und Parkplatz. Ohnehin nur für eine Nacht. 

Nachdem ich - wieder ein mal - später angekommen war, als ich geplant hatte, gleich los getrabt. Diesmal inklusive Stativ, denn den Berg rauf hatschen und wieder runter, hatte ich nicht vor. Man geht - von der Seite, von der ich kam - über eine Brücke, zwischen zwei Häusern durch, man hat also das Gefühl, die Stadt durch eine Art Tor zu betreten. Ein wenig später hab ich mich gefragt, warum man mir dort kein Eintrittsgeld abgeknüpft hat... 


Cesky Krumlov wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt und erhielt wohl seinen Namen, durch die Moldau, die dort ihre Schleifen zog: Krumben Ouwe. Krumau war "im Besitz" einiger bekannter Familien (Witigonen, Rosenberg, Habsburger, Eggenberg, Schwarzenberg), die natürlich auch da und dort einiges um- oder fertig bauten, aber Mitte des 20. Jhdts war's vorbei mit der Blüte. Man siedelte zwar Menschen an, aber niemand konnte sich leisten, etwas zu ändern. So ein Glück, daher konnte die UNESCO Ende des 20. Jhdts Krumau ins Weltkulturerbe aufnehmen und - zack - setzte der Touristenboom ein. Da aber nun Weltkulturerbe, darf nix mehr verändert werden, nur noch restauriert. Daher präsentiert sich Cesky Krumlov so, wie es sich jetzt darstellt: schön, malerisch, stimmig, alt, aber - imho - ohne Seele. Auf mich wirkte es wie ein Freilichtmuseum - daher auch mein Gefühl, man hätte mir eine Eintrittskarte verkaufen müssen...

Dominiert wird die Silhouette der Stadt vom Schloss, das riesig und trutzig über allem
thront. Gerade mal der bunte Renaissanceturm nimmt dem ganzen seine Wuchtigkeit auf der einen und die Mantelbrücke auf der anderen Seite. Durch ständige Um- und Zubauten der diversen "-bergs", ist das Schloss die zweitgrößte Burganlage Böhmens. Man zahlt zwar nicht, um durch das Schloss zu gehen, aber man zahlt dafür, um irgendwo hinein zu kommen. z.B. für die Besteigung des Turms. Für das Schlosstheater (sollte man übrigens wissen, dass man das Ticket in Hof1 kauft und nicht erst in Hof5 wo es sich befindet - könnte einem auch von der Ticket-Dame gesagt werden, aber - wie so viele in der Stadt - war sie ziemlich desinteressiert). Für den Abstieg in den einen Keller. Für alles eigentlich. Ich hab mir nur den Turm gegönnt. Die Aussicht vom Schloss überhaupt - nicht nur vom Turm aus - ist unglaublich schön. Eine einzige, rote Dächerlandschaft. 

Im Burggraben werden Bären gehalten. Yeah, denkt sich der geneigte Leser, weil ich doch Fan bin. Nein, nicht schön. Sie haben kaum Platz, dafür aber viel Beton. Werden nicht beschäftigt und nur begafft. Das ist doch kein Bärenleben. Leider aber völlig legal... Allein schon deshalb habe ich nur für den Turm bezahlt und gedacht: nein, die Bärenhaltung fördere ich nicht.

Stadtplan braucht man für Krumau keinen. So groß ist es nicht. Man findet alles. Und man sucht nix. Worauf man überall stößt, ist Schiele (blöd halt, wenn man ihn nicht mag). Als er hier war, mochten ihn die Krumauer nicht so gerne, jetzt zehren sie von seiner Berühmtheit und seiner Liebe zur Stadt. 
Und sonst? Der mittelalterliche Bebauungsplan ist erhalten, das merkt man. Im Kern sind viele Häuser gotisch. Man findet aber Barock-, Renaissance- und klassizistische Fassaden auch. Und unheimlich viel Sgraffito. Faszinierenderweise sind fast alle Gebäude Hotels. Und wenn sie keine Hotels sind, sind es Restaurants. Und wenn sie keine Restaurants sind, sind es Geschäfte. Oft genug alles davon gleichzeitig. Wie kann ein so kleiner Ort nur so unglaublich viele Übernachtungsmöglichkeiten haben? Es sind ja rundum den Kern nochmal so viele Hotels und Pensionen. Tatsächlich dürften aber auch Menschen dort leben, weil ich viele Klingeln mit Namen gesehen habe. Und - was mich besonders gestört hat - es sind Autos durch gefahren. Klar, man muss Touristen und ihr Gepäck ja wohin bringen. Oder Lieferungen. Aber - also wirklich! - das ist eine mittelalterliche Stadt, in der noch unglaublich viel erhalten ist; wie viel wird bleiben, wenn da ständig Autos durch tuckern?! 

Es wirkt aber kein bisschen so, als ob Menschen dort leben würden. V.a. nicht, als ich abends durch die Straßen gezogen bin - offenbar verzieht sich dann alles in die Bars und Restaurants. Es wirkte auf mich, als ob morgens die Leute zur Arbeit in die Stadt kämen, die Tore öffnen, arbeiten und abends wird alles hochgeklappt, zugemacht und wieder verlassen. Eben wie ein Museum. Schade eigentlich. Deshalb bin ich bis heute nicht sicher, ob mir Krumau gefällt oder nicht. Einerseits gibt es so viel dort zu sehen, andererseits "lebt" es nicht. Ganz ein merkwürdiges Gefühl hat Cesky Krumlov bei mir hinterlassen... Ich wollte es so gerne mögen, weil es doch so sehenswert ist, aber es will mir nicht so recht gelingen. Vielleicht muss ich es nochmal probieren...

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1, 2, 3 pittoreske Flüsse

Ich musste wieder einmal weg. Hatte man mir mal nicht gesagt, dass Passau sehenswert sein soll? Einen kleinen Reiseführer hatte ich ohnehin schon, also schnell durchgelesen, Wochenende verlängert, ins Auto gesetzt und los getuckert. Unterwegs hat mich noch ein Freund darauf hingewiesen, dass ich dem beliebten Grenzübergang ausweichen soll (die Flüchtlingswelle war grad am Höhepunkt). Demnach das Navi ignoriert, anderen Schildern gefolgt und ständig darauf gewartet, dass der Grenzübergang kommt. Oder etwas, das - für mich - aussieht wie ein Grenzübergang. Aber da kam nix. Die Straße war mittlerweile eine hübsche, kleine Allee geworden und da war es: ein kleines Schild, rechts am Straßenrand, das besagte, dass ich eben die Grenze überfahren hatte. Das war dann jetzt doch etwas... unscheinbar. Ich hab mich gefragt, wann ich endlich Passau sehen würde, bis es in einer Kurve dann vor mir lag. Oh, so einfach! 
Das Hotel zu finden, hat mich dann doch ein wenig nervös gemacht. Auf der einen Seite Passaus runter, über die Brücke, quer durch Passau, über die Brücke, über die andere Brücke zurück, einmal rundum durch, nochmal über die Brücke... oder so ähnlich. Gefunden. Süß dort. Niedliches Zimmer. Und die Aussicht! Direkt auf die Veste Niederhaus. (Das Frühstück war übrigens erstklassig. Es gab auch Speck! Und es gibt eine Garage - groß darf das Auto allerdings nicht sein.)

Passau, die "schwimmende" Nibelungenstadt. Im Nibelungenlied zieht Kriemhild in die Stadt Pazzovwe. Donau, Inn und Ilz fließen hier zusammen, allein schon deshalb war Passau immer schon Zentrum des Handels- und Reiseverkehrs zwischen West, Ost, Nord und Süd. Die ältesten Nachweise von Menschen im Passauer Gebiet datieren 5.000 v.Chr. 

Die Stadt ist wirklich süß. Praktisch menschenleer, aber so süß. Ich glaub, ich war während der Uni-Ferien dort und sie ist ja auch Universitätsstadt, ev. war deshalb fast kein Mensch unterwegs, aber mir war das nur recht. 
Ich bin ein bisserl herum gelaufen, um mich zu orientieren. An einem der Flüsse entlang - fragt mich nicht, welcher, ich hab die ständig verwechselt. Funfact: mich hat's fast auf den Hosenboden gesetzt, als ich die Promenade entlang gewandelt und dabei auf den fließenden Fluss geschaut hab... Dementsprechend bin ich danach immer landseitiger, als flussseitiger gegangen...
Viele der Kirchen und Häuser sind halt sehr barock, aber man findet auch einiges Älteres. V.a. aber, ist die Stadt stimmig angelegt. Es stört nichts wirklich darin, alles passt zusammen und das macht sie so ausgesprochen pittoresk. Nun hat sich mein Reiseführer ja wirklich sehr in den barocken Überladungen v.a. des Stephansdoms (ja, den gibt es dort auch und oben grüßt eben derselbe, zu seinem Verwandten nach Wien - darin steht die weltgrößte Orgel) ergangen, aber leider hat er manch interessantes, älteres Detail nur gestreift. Was im Prinzip aber egal war, es ist tatsächlich eine Stadt, in der sogar ich mich treiben lasse, weil einfach alles so gut zusammen passt. 


Nachdem ich bis nach Sonnenuntergang herum gelaufen bin, hab ich mich dran erinnert, dass MamaBär immer zu mir sagt: "Iss was. Du isst nie was, wenn du auf Reisen bist." Sagt sie sonst nie. Sonst sagt sie immer, ich soll weniger essen. Aber im Prinzip hat sie recht. Also hab ich mir ein Lokal gesucht, Essen bestellt, das erst später kommen sollte, weil ich vor Küchenöffnung drin war und hab mich am Stadtplan orientiert. Irgendwann ist mir Twitter ein wenig abgegangen, ich wollte nach WLAN fragen. Umgedreht von der Bar und ... oh ... sitzt eine Twitter-Bekannte vor mir und grinst breit. Lebt eigentlich in München, war zu dem Zeitpunkt beruflich in Passau und da treffen wir einander wieder. Zufällig. Ich hatte zuvor nicht laut getwittert, wohin ich fahre... Schön, ich war nicht alleine. Wir haben gegessen, getrunken, geplaudert. Ein feiner Abend. 

Irgendwann haben wir uns dann doch noch getrennt. Und ich mich gezwungen, das Stativ aus dem Hotel zu holen und nochmal in die Stadt zurück zu gehen. Ich wollte ja Nacht-Fotos machen, nachdem ich diese Sache mit der Blende, Belichtung und so Dings gelernt habe. Was soll ich sagen, Passau gibt Nachts nochmal so viel her, wie unter Tags. Bis nach Mitternacht war ich unterwegs. Allein. Außer mir, schien niemand mehr in der Stadt zu sein. Und, obwohl ich in einigen dunklen Ecken herum stand, hatte ich nie wirklich Angst - ok, mit dem Stativ könnte ich mich ordentlich wehren, aber das war ja nicht notwendig. 


Ein wirklich schöner Tag folgte. Sonne, relativ warm, gerade richtig, um mit dem Reiseführer in der Hand, die Altstadt genau abzugehen. Immer noch begeistert, wie malerisch Passau ist. So romantisch schön. Jede Ecke bin ich abgegangen, jeden Winkel, in jedes Haus, in jede Kirche, so es/sie offen war. Und die Fotos, die ich zuvor Nachts gemacht hab, unter Tags wiederholt. Tore, Türen und Fenster fotografiert. Wassermarken gelesen. Passau ist immer wieder von Hochwasser betroffen und nicht wenig. Das letzte (und zweitschlimmste) bisher war 2013. Da muss quasi die ganze Stadt unter Wasser gewesen sein. Mein Hotel lag direkt am Wasser und die Rezeptionistin erklärte mir, dass das Wasser bis zur Decke im EG stand. Nun geht man aber nicht ebenerdig ins EG, sondern ca 15 Stufen noch hinauf! Unglaublich. Ich vermute, die Passauer haben gelernt, damit umzugehen... 
Besonders viel Zeit hab ich in der Carlonegeasse verbracht, die neben dem Dom entlang in die Fußgängerzone führt. So ein romantisches Gässchen. Aber dann hab ich die Höllgasse entdeckt. Da reiht sich ein mittelalterliches Häuschen neben das nächste. Mein Reiseführer hatte dazu wenig zu sagen. Egal. Beschlossen, die nächste Nacht mit Stativ in der Höllgasse zu verbringen. Vorher musste ich noch auf die Veste Oberhaus. Ein Shuttle fährt vom Rathausplatz hinauf. Oder man geht zu Fuß - ein Teil führt durch den alten Wehrgang, der Veste Ober- mit Niederhaus verbindet - die Veste Niederhaus ist btw in Privatbesitz. Die Veste Oberhaus hingegen öffentlich zugänglich.
Nachdem ich ja doch ein bisserl faul und außerdem eh schon so viel gegangen bin, beschlossen, mit dem Shuttle hinauf zu fahren, aber dann hinunter zu gehen. Das Museum oben ausgelassen, einfach so durchs Gelände, viel wichtiger war mir ohnehin die Aussicht. Und Kaffee und Kuchen :-) . In der Sonne pausiert, Fotos geschossen, nachgedacht, Seele geschaukelt und so dings. Den Rückweg hat man mir dann allerdings verweigert. Der Wehrgang wird bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen und, obwohl ich noch diskutiert habe, dass es eine halbe Stunde zu früh sei, man mir recht gegeben hat, durfte ich trotzdem nicht runter gehen. Also über die Straße. Wie langweilig.
Jedoch rechtzeitig zu Sonnenuntergang im Hotel. Kurz ausgeruht, Stativ geschnappt und wieder raus. Vollmond. Beleuchtete Stadt, Flüsse und Vollmond. Hach. Die nächsten paar Stunden hab ich stehend, sitzend, knieend in der Höllgasse verbracht... 



Am nächsten Morgen war die Veste Niederhaus vor meinem Fenster weg. Dichtester Nebel. Frühstück - allein im ganzen Raum, man hat sich intensiv um mich gekümmert - mit Fensterplatz und zugesehen, wie sich langsam. Ganz langsam der Nebel lichtet. Auch so schön. Die zwei Tage konnten kaum besser sein. Es hat einfach alles gepasst. 
Aber nun auf nach Cesky Krumlov

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Dienstag, 23. Februar 2016

Bärchenwochenende im Best Styrian Kurhotel

Ich wollte ein Wochenende weg, nix tun, nicht nachdenken, weg sein. Irgendein nettes
Hotel, irgendwo im Grünen, vorzugsweise mit Bergen drum herum.
Das allein sein hab ich dann relativiert, indem ich Sabine mitgenommen habe. In die Steiermark, nach Neumarkt ins Landsitz Pichlschloss. Das hat so nett ausgesehen, war günstig, hatte keinen Einzelzimmerzuschlag (!), lag im Grünen, mit Bergen rund herum, also optimal. Dachten wir. Dann kamen wir an. Gerade als das "Hauskonzert" vorbei war und wir die Gäste sahen. Alle so um die 70+. Naja, vielleicht waren das auch nur die, die beim Konzert waren. Später, beim Abendessen, sollten wir merken: nein. Wir beide, Sabine und ich, haben den Altersdurchschnitt um gut 30 Jahre gedrückt. Das Bärchenwochenende im "Best Styrian Kurhotel" war geboren. Und es war großartig! 

Das Schloss ist nett, liegt auf einer kleinen Anhöhe, mit Wald und Wiesen drum herum, einer Waldkapelle (= Hubertushütterl), einer Luftkurhalle (= offene Scheune mit Liegen), einem Barfußweg (= Schottertrampelpfad) und einem Kneipp-Becken (= der Ort, an dem wir die meiste Zeit verbracht haben, weil wir das Wasser fotografiert haben). Das einzige Manko - also neben der Tatsache, dass es sich bei den Gästen um Elderlies handelt. Ausschließlich nämlich - also das einzige Manko waren die Bäder im Zimmer. Das hatte den Charme eines Wohnwagens. Ein Plastik-Kubus ins Zimmer gestellt, so klein, dagegen ist meine Kochnische riesig und ja, hat dem Zimmer leider total den Charme genommen. Bis heute wissen wir nicht, warum das so gelöst wurde, ich vermute aber Denkmalschutz...

Nach dem Abendessen - das mit einer Rede eingeläutet wurde, weil sie den ganzen Tag Forelle geräuchert haben und das war eine Rede wert - haben wir es uns draußen mit Alkohol gemütlich gemacht und geratscht. Und stundenlang darüber gelacht, dass wir in einem Alters-Urlaubsort gelandet sind. 

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück begaben wir uns wieder in den Garten zum Kaffee trinken und tratschen, während es sich die Chefin nicht nehmen ließ, uns darauf hinzuweisen, dass wir hier in einem Naturpark wären und dass es sehr viele schöne Wanderwege gäbe. Sie hat uns dann auch mit entsprechenden Karten versorgt. Und erklärt, wie man zu Steiermarks höchst gelegener Burgruine, die gleich in der Nähe sein soll, kommt. 
Nachdem wir ca. 4 Stunden damit verbracht haben, das Kneipp-Becken hinterm Hotel im Wald für uns zu vereinnahmen, indem wir ständig drin, dran und rundherum saßen, lagen, standen, um zu fotografieren, haben wir beschlossen, die Ruine Steinschloss zu suchen. Kann ja nicht so schwer sein. Sie hat uns ja erklärt, wie wir hin fahren müssen. Schnecken. Wir haben uns so verlaufen... Sabine hat's mit einer App versucht, ich mit der Karte, die Ruine haben wir gesehen, aber als schlussendlich der Weg zu Ende und nur noch Bäume vor uns waren, war auch uns klar, dass wir nicht am richtigen Pfad waren. 
Also retour ins Auto und nochmal. 
Am Weg eine Einheimische gefragt. Die uns gerne Auskunft gab, die wir aber nicht verstanden. Auch nach dreimal Nachfragen nicht. Was auch immer sie gesprochen hat, Deutsch war's nicht. 

Wir haben dennoch unser Glück versucht und die Ruine dann auch tatsächlich gefunden. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Nach vielen, vielen Fotos war uns klar, dass wir das Abendessen verpasst haben, hofften aber auf den Goodwill, dass wir doch noch eines bekommen würden und haben uns auf den Rückweg gemacht. Und wieder hoffnungslos verfahren. Dafür aber einen riesigen Vollmond hinterm Berg aufgehen sehen. Was uns natürlich sofort wieder veranlasst hat, stehen zu bleiben und Fotos zu schießen. 

Spät, sehr spät, sind wir endlich wieder im Hotel eingetrudelt und haben tatsächlich noch ein Abendessen bekommen, obwohl man uns quasi schon vermisst gemeldet hatte. So ist das nämlich in einem Alterssitz. Da kennt man die Gäste beim Namen und macht sich Sorgen um sie :-)

Nach einer ausgiebigen Tratscherei mit viel Wein und Bier, sind wir auch endlich ins Bett. Am nächsten Morgen gleich wieder zu unserem Kneipp-Becken, um noch mehr Wasser-Fotos zu schießen und beschlossen, bevor wir den Heimweg antreten, noch bei der Wehrkirche Mariahof vorbei zu schauen, damit ich wenigstens ein bisschen ein Sightseeing-Programm hatte. 

Alles in Allem ein sehr angenehmer, entspannter und lustiger Bärchenurlaub. Und, wenn wir dann mal 70plus sind, kommen wir bestimmt wieder! 


Montag, 22. Februar 2016

Bärcelona - Sprung der Jahrhunderte

Zweiter und letzter Tag in Barcelona. Nachdem man mir zuvor nahe gelegt hat, *unbedingt* den Park Güell zu besuchen, muss der heute sein. Danach quer durch die Stadt zurück ins Barri Gotic, um die Kathedrale zu besichtigen und dann auf den Spuren des Modernismus entlang. 
Dinge wie das Phallus-Gebäude, das Aquarium oder das moderne Viertel an sich, interessierten mich ohnehin wenig. Zum Castel de Montjuic wollte ich zwar, war mir aber schon am ersten Tag klar, dass sich das nicht ausgehen würde. Und, obwohl der Font Magica auf dem Heimweg lag, ist sich auch der irgendwie nie ausgegangen. Egal. 


Also auf zum Park Güell. Der liegt echt weit weg. No na, denn um 1900 hat Eusebi Güell (wir kennen ihn schon als Mäzen Gaudìs) Antoni beauftragt ein neues Wohnviertel außerhalb des Stadtzentrums zu bauen. Rund 60 Wohn- und Erholungsanlagen sollte es umfassen, wurde aber von den wohlhabenden Bürgern Barcelonas - die darin wohnen und es daher vorfinanzieren sollten - nicht angenommen und daher nie fertig gestellt. In einem Häuschen hat Gaudí eine Zeit lang gewohnt, das kann jetzt als Museum besichtigt werden. 
Man kann in die Nähe mit der U-Bahn fahren. Angeblich fährt ein Bus bis vor den Eingang, den hab ich aber nicht gefunden. Wie ich überhaupt die Busse nie gefunden habe, also bin ich ausschließlich U-Bahn gefahren. Da kommt man auch überall hin. Dann bin ich den Schildern gefolgt. Und gefolgt. Und gefolgt. Dann biegt man irgendwann ab und steht plötzlich vor einer Rolltreppe, die den Berg hinauf fährt. Ja, ihr habt richtig gelesen. Da fährt auf einer Straße eine Rolltreppe den Berg hinauf. Was für ein Glück, es war nämlich sehr schwül und mir taten ohnehin schon die Füße weh. 
Oben geht man dann nochmal hinauf. Und weiter hinauf. Und eigentlich immer hinauf. Man ist dann schon im Park, ohne es wirklich zu merken. Folgt dann ein paar Wegen, Schildern und den Massen an Touristen, dann steht man... vor verschlossenen Türen. Und dahinter dieser weltberühmte Freiluft-Balkon von Gaudí - der mit den bunten, geschwungenen Bänken und dem Blick über die Stadt. Nun ja, "Türen" ist übertrieben, es war einfach eine Grenze, die man nur mit gültigem Ticket übertreten durfte und zu beiden Seiten eine kilometerlange Schlange an Menschen. Dass Eintritt verlangt wird, dürfte wohl erst seit kurzem der Fall sein, denn mir hat man zuvor erklärt, es wär alles gratis. Und "Freiluft-Balkon" ist auch übertrieben. Es ist ein riesiger Sandplatz auf dem nichts ist, absolut nichts, bis am Ende eben die Bänke. Überall laufen Securities herum, die jeden von allem abhalten. Unglaublich enttäuschend die ganze Sache. 

Also bin ich rundherum gegangen, denn rundherum gehen war gratis, dann kommt man zu den Arkadengängen, die aussehen wie Baumstämme, zu Gaudís Villa und irgendwann dann zum eigentlichen Eingang des Parks, dessen Tore (tatsächlich Tore) auch geschlossen waren, weil ebenfalls nur mit Eintrittskarte zu überschreiten. Dahinter der Stiegenaufgang mit dem Echsentier in der Mitte und die Säulenhalle. 

Gut, es war mir eh schon egal, ich war müde, verschwitzt, sauer und interessiert hat's mich auch nicht mehr. Schwer enttäuscht bin ich abgezogen. Park Güell und ich wurden keine Freunde. 

Zurück ins Zentrum, ich wollte die Kathedrale sehen. Bei einer Engländerin, die Touristen am Vortag dort vorbei geführt hat, habe ich gehört, man sollte die Karten im Vorfeld besorgen, weil die Schlangen davor so lange wären. Trotzdem hab ich mein Glück versucht und siehe da, fast kein Mensch angestanden. 

La Catedral (nicht die Sagrada!) ist ein schönes Beispiel katalanischer Gotik. Die - für viele beeindruckende - Fassade jedoch ist neogotisch, also 19. Jhdt. Innen überwältigt sie an Größe. Dreischiffig, der Innenraum geht auf das 14. Jhdt zurück, das fein gearbeitete Holz-Chorgestühl ist riesig und auch der Kreuzgang (aber ohne Fresken ;-) ) ist aus dem 14. Jhdt. Darin wohnt eine Schar Gänse. Ursprünglich waren es 13 Stück und dienten als "Wach-Gänse". 
Außerdem kann man mit Aufzug (!) aufs Dach und sich die Glockentürme aus dem 19. Jhdt aus der Nähe ansehen, wie auch einen wunderschönen Rundumblick genießen. Auf dem Hauptturm versteckt sich ein kleines, rundes, modernes Türmchen mit einer Schnecke am Dach, die so gar nicht zum Rest des neugotischen Turmes passt. Warum die da ist, da gehen die Meinungen auseinander: sie könnte auf eine Wendeltreppe hinweisen, weil das
spanische Wort dafür der Schnecke gleicht. Sie könnte auch, ähnlich einer Pestsäule, an eine Schneckenplage erinnern. Eine Hommage an Miró, der in dem Viertel lebte (das ist meine Version), oder vom Architekten als Rache an seiner Frau, die ihm die Hörner aufgesetzt hat, oder weil der Bau des Turms so langsam voran ging. Oder auch vom Architekten geplant, um seine eigene Unzulänglichkeit seiner Frau gegenüber darzustellen, die er während des Baus vernachlässigte und die sich einen Liebhaber suchte. Alle Versionen gibt es. Welche die korrekte ist, weiß keiner - ich mag meine. Ich glaub, ich war die Einzige, der die Schnecke am Dach aufgefallen ist... 

Und wieder einmal ist mir die Zeit verloren gegangen. Schnell den Plan und Reiseführer raus geholt und überlegt, wie ich den Rest noch unterkriege. Am besten die zwei angebotenen Routen durch die Zeit des Modernismus verbinden und alles in einem abgehen. Normalerweise sind die Routen ja mit Pausen geplant, ohne Pause, sollte sich das machen lassen (ist es nicht ganz). 

Modernismus ist eine Form des Jugendstil. So wie Art Deco, Art Nouveau, Secessionsstil, Reformstil, Wiener Werkstätte,... je nachdem wo man sich befindet, was es bezeichnet und gehört zeitlich in die Wende des 19. zum 20. Jhdt. Also nicht sonderlich alt, aber besonders schön imho. Berühmte Vertreter dieser Ausprägungen sind eben Gaudí, Rennie Mackintosh, Klimt, Toulouse-Lautrec, Otto Wagner, Koloman Moser oder Alfons Mucha. In Barcelona gibt es selbstverständlich noch Modernismus-Bauten anderer Architekten und Künstler, aber Gaudí ist der bekannteste (und der, den man kommerziell am besten verbraten konnte). 
Nun, weit bin ich nicht gekommen, weil ich in einer Straße hängen geblieben bin, in der sich praktisch ein Jugendstil-Haus an das nächste gereiht hat und ich alle fünf Meter fotografieren und staunen musste. Irgendwann hab ich es dann endlich zu den nächsten, berühmten Gaudí-Bauten geschafft: Casa Batllo (das Drachen- oder Knochenhaus) und Casa Mila (La Pedrera). Glücklicherweise liegen die beiden nahe beieinander. 
Casa Batlló gibt im Äußeren die Legende des hl. Georg (Schutzheiliger Kataloniens - der den Drachen tötet - lest nach): die blaugrünen Keramikfliesen sind die Schuppen des Drachen, das Dach ist der Drachenrücken, die Balkone und Säulen sind Schädel und Knochen der Opfer des Drachen. Natürlich kann man auch das besichtigen, aber einerseits war ich schon spät dran, andererseits hatte ich ja schon viel zu viel Zeit in einem anderen Gaudí-Stück verbracht und außerdem war ich wirklich müde. Aber es soll sich auszahlen. V.a. da man eine Augmented Reality-Führing drin machen kann. Kostet sicher nicht wenig, soll aber sehr gut sein. Alles, was man braucht, bekommt man vor Ort.
Einmal über die Straße gehen und man ist bei Casa Milà, La Pedrera oder "der Steinbruch". Eine der letzten Bauten von Gaudí und das merkt man - außen - auch. Ich glaube, das Haus gibt nur von innen - Besichtigung möglich, aber nicht für mich - und außen in der Nacht was her. Ich finde es jetzt nicht ganz so aufregend, dazu ist es mir außen zu "glatt", aber vermutlich änderte ich meine Meinung, sollte ich mal hinein kommen. Dennoch ein schöner Abschluss für einen langen Tag. 

Und sonst? Barcelona hat viel zu bieten, viel mehr, als ich gesehen habe. Man sollte sich ein paar Tage Zeit nehmen und unbedingt mit dem Kopf oben und offenen Augen durchgehen. Wahrscheinlich sieht mich die Stadt vor 2026 wieder... 


Barcelona Teil1
Barcelona Teil2

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