Dienstag, 23. Februar 2016

Bärchenwochenende im Best Styrian Kurhotel

Ich wollte ein Wochenende weg, nix tun, nicht nachdenken, weg sein. Irgendein nettes
Hotel, irgendwo im Grünen, vorzugsweise mit Bergen drum herum.
Das allein sein hab ich dann relativiert, indem ich Sabine mitgenommen habe. In die Steiermark, nach Neumarkt ins Landsitz Pichlschloss. Das hat so nett ausgesehen, war günstig, hatte keinen Einzelzimmerzuschlag (!), lag im Grünen, mit Bergen rund herum, also optimal. Dachten wir. Dann kamen wir an. Gerade als das "Hauskonzert" vorbei war und wir die Gäste sahen. Alle so um die 70+. Naja, vielleicht waren das auch nur die, die beim Konzert waren. Später, beim Abendessen, sollten wir merken: nein. Wir beide, Sabine und ich, haben den Altersdurchschnitt um gut 30 Jahre gedrückt. Das Bärchenwochenende im "Best Styrian Kurhotel" war geboren. Und es war großartig! 

Das Schloss ist nett, liegt auf einer kleinen Anhöhe, mit Wald und Wiesen drum herum, einer Waldkapelle (= Hubertushütterl), einer Luftkurhalle (= offene Scheune mit Liegen), einem Barfußweg (= Schottertrampelpfad) und einem Kneipp-Becken (= der Ort, an dem wir die meiste Zeit verbracht haben, weil wir das Wasser fotografiert haben). Das einzige Manko - also neben der Tatsache, dass es sich bei den Gästen um Elderlies handelt. Ausschließlich nämlich - also das einzige Manko waren die Bäder im Zimmer. Das hatte den Charme eines Wohnwagens. Ein Plastik-Kubus ins Zimmer gestellt, so klein, dagegen ist meine Kochnische riesig und ja, hat dem Zimmer leider total den Charme genommen. Bis heute wissen wir nicht, warum das so gelöst wurde, ich vermute aber Denkmalschutz...

Nach dem Abendessen - das mit einer Rede eingeläutet wurde, weil sie den ganzen Tag Forelle geräuchert haben und das war eine Rede wert - haben wir es uns draußen mit Alkohol gemütlich gemacht und geratscht. Und stundenlang darüber gelacht, dass wir in einem Alters-Urlaubsort gelandet sind. 

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück begaben wir uns wieder in den Garten zum Kaffee trinken und tratschen, während es sich die Chefin nicht nehmen ließ, uns darauf hinzuweisen, dass wir hier in einem Naturpark wären und dass es sehr viele schöne Wanderwege gäbe. Sie hat uns dann auch mit entsprechenden Karten versorgt. Und erklärt, wie man zu Steiermarks höchst gelegener Burgruine, die gleich in der Nähe sein soll, kommt. 
Nachdem wir ca. 4 Stunden damit verbracht haben, das Kneipp-Becken hinterm Hotel im Wald für uns zu vereinnahmen, indem wir ständig drin, dran und rundherum saßen, lagen, standen, um zu fotografieren, haben wir beschlossen, die Ruine Steinschloss zu suchen. Kann ja nicht so schwer sein. Sie hat uns ja erklärt, wie wir hin fahren müssen. Schnecken. Wir haben uns so verlaufen... Sabine hat's mit einer App versucht, ich mit der Karte, die Ruine haben wir gesehen, aber als schlussendlich der Weg zu Ende und nur noch Bäume vor uns waren, war auch uns klar, dass wir nicht am richtigen Pfad waren. 
Also retour ins Auto und nochmal. 
Am Weg eine Einheimische gefragt. Die uns gerne Auskunft gab, die wir aber nicht verstanden. Auch nach dreimal Nachfragen nicht. Was auch immer sie gesprochen hat, Deutsch war's nicht. 

Wir haben dennoch unser Glück versucht und die Ruine dann auch tatsächlich gefunden. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang. Nach vielen, vielen Fotos war uns klar, dass wir das Abendessen verpasst haben, hofften aber auf den Goodwill, dass wir doch noch eines bekommen würden und haben uns auf den Rückweg gemacht. Und wieder hoffnungslos verfahren. Dafür aber einen riesigen Vollmond hinterm Berg aufgehen sehen. Was uns natürlich sofort wieder veranlasst hat, stehen zu bleiben und Fotos zu schießen. 

Spät, sehr spät, sind wir endlich wieder im Hotel eingetrudelt und haben tatsächlich noch ein Abendessen bekommen, obwohl man uns quasi schon vermisst gemeldet hatte. So ist das nämlich in einem Alterssitz. Da kennt man die Gäste beim Namen und macht sich Sorgen um sie :-)

Nach einer ausgiebigen Tratscherei mit viel Wein und Bier, sind wir auch endlich ins Bett. Am nächsten Morgen gleich wieder zu unserem Kneipp-Becken, um noch mehr Wasser-Fotos zu schießen und beschlossen, bevor wir den Heimweg antreten, noch bei der Wehrkirche Mariahof vorbei zu schauen, damit ich wenigstens ein bisschen ein Sightseeing-Programm hatte. 

Alles in Allem ein sehr angenehmer, entspannter und lustiger Bärchenurlaub. Und, wenn wir dann mal 70plus sind, kommen wir bestimmt wieder! 


Montag, 22. Februar 2016

Bärcelona - Sprung der Jahrhunderte

Zweiter und letzter Tag in Barcelona. Nachdem man mir zuvor nahe gelegt hat, *unbedingt* den Park Güell zu besuchen, muss der heute sein. Danach quer durch die Stadt zurück ins Barri Gotic, um die Kathedrale zu besichtigen und dann auf den Spuren des Modernismus entlang. 
Dinge wie das Phallus-Gebäude, das Aquarium oder das moderne Viertel an sich, interessierten mich ohnehin wenig. Zum Castel de Montjuic wollte ich zwar, war mir aber schon am ersten Tag klar, dass sich das nicht ausgehen würde. Und, obwohl der Font Magica auf dem Heimweg lag, ist sich auch der irgendwie nie ausgegangen. Egal. 


Also auf zum Park Güell. Der liegt echt weit weg. No na, denn um 1900 hat Eusebi Güell (wir kennen ihn schon als Mäzen Gaudìs) Antoni beauftragt ein neues Wohnviertel außerhalb des Stadtzentrums zu bauen. Rund 60 Wohn- und Erholungsanlagen sollte es umfassen, wurde aber von den wohlhabenden Bürgern Barcelonas - die darin wohnen und es daher vorfinanzieren sollten - nicht angenommen und daher nie fertig gestellt. In einem Häuschen hat Gaudí eine Zeit lang gewohnt, das kann jetzt als Museum besichtigt werden. 
Man kann in die Nähe mit der U-Bahn fahren. Angeblich fährt ein Bus bis vor den Eingang, den hab ich aber nicht gefunden. Wie ich überhaupt die Busse nie gefunden habe, also bin ich ausschließlich U-Bahn gefahren. Da kommt man auch überall hin. Dann bin ich den Schildern gefolgt. Und gefolgt. Und gefolgt. Dann biegt man irgendwann ab und steht plötzlich vor einer Rolltreppe, die den Berg hinauf fährt. Ja, ihr habt richtig gelesen. Da fährt auf einer Straße eine Rolltreppe den Berg hinauf. Was für ein Glück, es war nämlich sehr schwül und mir taten ohnehin schon die Füße weh. 
Oben geht man dann nochmal hinauf. Und weiter hinauf. Und eigentlich immer hinauf. Man ist dann schon im Park, ohne es wirklich zu merken. Folgt dann ein paar Wegen, Schildern und den Massen an Touristen, dann steht man... vor verschlossenen Türen. Und dahinter dieser weltberühmte Freiluft-Balkon von Gaudí - der mit den bunten, geschwungenen Bänken und dem Blick über die Stadt. Nun ja, "Türen" ist übertrieben, es war einfach eine Grenze, die man nur mit gültigem Ticket übertreten durfte und zu beiden Seiten eine kilometerlange Schlange an Menschen. Dass Eintritt verlangt wird, dürfte wohl erst seit kurzem der Fall sein, denn mir hat man zuvor erklärt, es wär alles gratis. Und "Freiluft-Balkon" ist auch übertrieben. Es ist ein riesiger Sandplatz auf dem nichts ist, absolut nichts, bis am Ende eben die Bänke. Überall laufen Securities herum, die jeden von allem abhalten. Unglaublich enttäuschend die ganze Sache. 

Also bin ich rundherum gegangen, denn rundherum gehen war gratis, dann kommt man zu den Arkadengängen, die aussehen wie Baumstämme, zu Gaudís Villa und irgendwann dann zum eigentlichen Eingang des Parks, dessen Tore (tatsächlich Tore) auch geschlossen waren, weil ebenfalls nur mit Eintrittskarte zu überschreiten. Dahinter der Stiegenaufgang mit dem Echsentier in der Mitte und die Säulenhalle. 

Gut, es war mir eh schon egal, ich war müde, verschwitzt, sauer und interessiert hat's mich auch nicht mehr. Schwer enttäuscht bin ich abgezogen. Park Güell und ich wurden keine Freunde. 

Zurück ins Zentrum, ich wollte die Kathedrale sehen. Bei einer Engländerin, die Touristen am Vortag dort vorbei geführt hat, habe ich gehört, man sollte die Karten im Vorfeld besorgen, weil die Schlangen davor so lange wären. Trotzdem hab ich mein Glück versucht und siehe da, fast kein Mensch angestanden. 

La Catedral (nicht die Sagrada!) ist ein schönes Beispiel katalanischer Gotik. Die - für viele beeindruckende - Fassade jedoch ist neogotisch, also 19. Jhdt. Innen überwältigt sie an Größe. Dreischiffig, der Innenraum geht auf das 14. Jhdt zurück, das fein gearbeitete Holz-Chorgestühl ist riesig und auch der Kreuzgang (aber ohne Fresken ;-) ) ist aus dem 14. Jhdt. Darin wohnt eine Schar Gänse. Ursprünglich waren es 13 Stück und dienten als "Wach-Gänse". 
Außerdem kann man mit Aufzug (!) aufs Dach und sich die Glockentürme aus dem 19. Jhdt aus der Nähe ansehen, wie auch einen wunderschönen Rundumblick genießen. Auf dem Hauptturm versteckt sich ein kleines, rundes, modernes Türmchen mit einer Schnecke am Dach, die so gar nicht zum Rest des neugotischen Turmes passt. Warum die da ist, da gehen die Meinungen auseinander: sie könnte auf eine Wendeltreppe hinweisen, weil das
spanische Wort dafür der Schnecke gleicht. Sie könnte auch, ähnlich einer Pestsäule, an eine Schneckenplage erinnern. Eine Hommage an Miró, der in dem Viertel lebte (das ist meine Version), oder vom Architekten als Rache an seiner Frau, die ihm die Hörner aufgesetzt hat, oder weil der Bau des Turms so langsam voran ging. Oder auch vom Architekten geplant, um seine eigene Unzulänglichkeit seiner Frau gegenüber darzustellen, die er während des Baus vernachlässigte und die sich einen Liebhaber suchte. Alle Versionen gibt es. Welche die korrekte ist, weiß keiner - ich mag meine. Ich glaub, ich war die Einzige, der die Schnecke am Dach aufgefallen ist... 

Und wieder einmal ist mir die Zeit verloren gegangen. Schnell den Plan und Reiseführer raus geholt und überlegt, wie ich den Rest noch unterkriege. Am besten die zwei angebotenen Routen durch die Zeit des Modernismus verbinden und alles in einem abgehen. Normalerweise sind die Routen ja mit Pausen geplant, ohne Pause, sollte sich das machen lassen (ist es nicht ganz). 

Modernismus ist eine Form des Jugendstil. So wie Art Deco, Art Nouveau, Secessionsstil, Reformstil, Wiener Werkstätte,... je nachdem wo man sich befindet, was es bezeichnet und gehört zeitlich in die Wende des 19. zum 20. Jhdt. Also nicht sonderlich alt, aber besonders schön imho. Berühmte Vertreter dieser Ausprägungen sind eben Gaudí, Rennie Mackintosh, Klimt, Toulouse-Lautrec, Otto Wagner, Koloman Moser oder Alfons Mucha. In Barcelona gibt es selbstverständlich noch Modernismus-Bauten anderer Architekten und Künstler, aber Gaudí ist der bekannteste (und der, den man kommerziell am besten verbraten konnte). 
Nun, weit bin ich nicht gekommen, weil ich in einer Straße hängen geblieben bin, in der sich praktisch ein Jugendstil-Haus an das nächste gereiht hat und ich alle fünf Meter fotografieren und staunen musste. Irgendwann hab ich es dann endlich zu den nächsten, berühmten Gaudí-Bauten geschafft: Casa Batllo (das Drachen- oder Knochenhaus) und Casa Mila (La Pedrera). Glücklicherweise liegen die beiden nahe beieinander. 
Casa Batlló gibt im Äußeren die Legende des hl. Georg (Schutzheiliger Kataloniens - der den Drachen tötet - lest nach): die blaugrünen Keramikfliesen sind die Schuppen des Drachen, das Dach ist der Drachenrücken, die Balkone und Säulen sind Schädel und Knochen der Opfer des Drachen. Natürlich kann man auch das besichtigen, aber einerseits war ich schon spät dran, andererseits hatte ich ja schon viel zu viel Zeit in einem anderen Gaudí-Stück verbracht und außerdem war ich wirklich müde. Aber es soll sich auszahlen. V.a. da man eine Augmented Reality-Führing drin machen kann. Kostet sicher nicht wenig, soll aber sehr gut sein. Alles, was man braucht, bekommt man vor Ort.
Einmal über die Straße gehen und man ist bei Casa Milà, La Pedrera oder "der Steinbruch". Eine der letzten Bauten von Gaudí und das merkt man - außen - auch. Ich glaube, das Haus gibt nur von innen - Besichtigung möglich, aber nicht für mich - und außen in der Nacht was her. Ich finde es jetzt nicht ganz so aufregend, dazu ist es mir außen zu "glatt", aber vermutlich änderte ich meine Meinung, sollte ich mal hinein kommen. Dennoch ein schöner Abschluss für einen langen Tag. 

Und sonst? Barcelona hat viel zu bieten, viel mehr, als ich gesehen habe. Man sollte sich ein paar Tage Zeit nehmen und unbedingt mit dem Kopf oben und offenen Augen durchgehen. Wahrscheinlich sieht mich die Stadt vor 2026 wieder... 


Barcelona Teil1
Barcelona Teil2

Fotoalbum

Sonntag, 21. Februar 2016

Bärcelona - Bärri Gaudic

Am nächsten Tag standen Las Ramblas am Programm, Barri Gotic und was sich halt sonst noch ausgeht. Viel ist sich nicht mehr ausgegangen, weil ich gleich im ersten Gaudí-Bauwerk die meiste Zeit des Tages verbracht hab (4 Stunden!)... 
La Rambla ist eine breite Flaniermeile, die vom Zentrum zum Hafen führt. Hoffnungslos überrannt mit Touristen und praktisch alle fünf Meter ein Souvenirstand. Ein Standler, bei dem ich meine obligatorischen Magneten gekauft habe, hat mich ausgefragt, woher ich komme, wohin ich gehe, usw. Ich sähe wie keine Österreicherin aus, meinte er - wie viele er wohl schon kennen gelernt hat? Ich wäre die typische Spanierin - ok, viele Spanierinnen hat er wohl auch noch nicht gesehen. However, ich sollte im Juni wieder kommen. Der perfekte Monat für Barcelona, warm, aber noch nicht zu heiß, viele Menschen, aber nicht zu viele. Nachdem er mit der Ortsbestimmung so dermaßen gut war, vertraue ich mal lieber nicht darauf und komme nicht im Juni wieder...


In einer Seitengasse der Rambla findet man auch schon ein frühes Gaudí-Bauwerk: Palau Güell. Eusebi Güell war ein Mäzen und Förderer Gaudìs und hat sich von ihm diesen Stadtpalast entwerfen lassen. Gaudí hat sich ausgetobt und damit den Historismus überwunden. Das erste Mal hat er hier sein für ihn typisches Prinzip der Hängemodelle angewandt. Dabei stellt man sich eine durchhängende Kette vor, die man dann umdreht. Er war ein fantastischer Statiker. Vom Untergeschoß (Stallungen) bis aufs Dach hinauf war alles bis ins kleinste Detail geplant und ausgeführt. Es ist atemberaubend. Vom Lüftungsschlitz, über Intarsien in Treppen und Wänden, hyperbolische Paraboloiden, dass einem die Luft weg bleibt vor Staunen und Bewunderung, sogar die Möbelstücke, der Schmuck an den Decken und die Schmiedeeisernen Gitter wurden von ihm entworfen. Kein Wunder, dass ich da vier Stunden nicht mehr raus gekommen bin. Die Zeit hat mir dann halt leider später gefehlt, aber das war's wert. 

Einschub: In Österreich vergleicht man Hundertwasser ja gerne mal mit Gaudí, aber - sorry - wer das tut, hat von beiden keine Ahnung. Hundertwasser war Künstler (ob man ihn mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen), aber Gaudí war Architekt und m.M.n. Multi-Genie. Seine Bauwerke stehen noch, während Hundertwasser, naja... der ist halt bunt und wellenförmig... Er hätte beim Malen bleiben sollen.
Bevor hier ein Shitstorm los geht: Geschmäcker sind erstens verschieden, zweitens habe ich Architektur studiert und drittens zwei Jahre lang im Hundertwasserhaus gearbeitet. Ich kenne also ein bissl was und trau mich das sagen.


Irgendwann hab ich es dann doch noch raus geschafft und musste mich ran halten, um noch
wenigstens einen Teil des Tages-Programms zu schaffen. Barri Gotic (das gotische/mittelalterliche/jüdische Viertel) ist gleich auf der anderen Seite der Rambla. PapaBär hat mich dazu angehalten, das nicht zu verpassen. Nun gut, es ist gotisch/mittelalterlich - ja, ich weiß schon, dass das verschiedene Jahrhunderte sind, aber dort ist alles vorhanden. Ich mag Gotik, aber man muss es nicht so genau durchgehen, wie ich. Zum Fotografieren eher schlecht geeignet, da die Gassen eng und die Gebäude hoch sind (d.h. die Sonne ist oben und unten ist es dunkel - mühsam in der Nachbearbeitung). Es gibt aber wirklich viel zu sehen und man kann sich das Mittelalter in den engen Gassen recht gut vorstellen. Zentrum des Barri Gotic ist La Catedral, die Kathedrale von Barcelona. Nicht zu verwechseln mit La Sagrada Familia (die ein gutes Stück weiter weg liegt). 
Ach ja, wer von der Seufzerbrücke fasziniert ist (nicht die in Venedig), die ist hübsch, aber neogotisch. Das ist viele Jahre jünger... 
Am besten, man hat einen Reiseführer, der einen Spaziergang durch das Viertel anbietet - so hab ich es auch gemacht - da sieht man unglaublich viel und verpasst so gut wie nix. Wandert man auf eigene Faust durch, bekommt man die Jahrhunderte und die vielen Bauwerke kaum mit. Nur so als Tipp. 

Die erste Hälfte des Tages bei Gaudí, die zweite im Barri Gotic, der Tag musste mit der Sagrada enden. Zu Fuß vom Viertel nicht machbar, öffentlich hin fahren, die U-Bahn hält praktisch vor dem (Hinter)-Eingang. Und da steht sie. Viel kleiner, als ich sie mir vorgestellt habe und von außen - für mich - nicht ganz so beeindruckend, weil total überladen und das hat mich ziemlich überfordert, aber von innen... Boah! 

Die Basilika Sagrada Familia ist Gaudís Lebenswerk und orientiert sich an der klassischen, fünfschiffigen Kirche. Er hat praktisch von Beginn an bis zu seinem Tod an ihr gearbeitet und - wie wir alle wissen - ist sie immer noch nicht fertig gestellt. 1882 wurde sie begonnen, 2026 soll sie - rechtzeitig zu Gaudís 100. Todestag - fertig sein. Das ist in 10 Jahren, da bin ich 50. Und noch einmal dort. 
Begonnen wurde sie von einem anderen Architekten, als Gaudí die Bauleitung übernahm, war ein Teil der Krypta schon fertig. Er hat sie nach den eigentlichen Entwürfen fertig gestellt, nur ein wenig erhöht. Darüber hat er sich dann ausgelassen. Leider gibt es die Original-Entwürfe von ihm nicht mehr, daher baut man jetzt so weiter, wie man glaubt, dass es zu seinem Stil passt. Insgesamt 43 Jahre hat Gaudí an ihr gearbeitet, die letzten 15 Jahre nur noch an ihr und an nichts anderem mehr. Er soll quasi davon besessen gewesen sein, obwohl ihm klar war, dass er sie nicht vollenden wird können. Zu seinem Tod 1926 war nur einer der Türme der Geburtsfassade fertig. 
Die Geburtsfassade ist fast vollständig sein Werk und - imho - hoffnungslos überladen. Ich bewundere Gaudí, aber das war mir einfach zu viel. Man weiß nicht, wohin man blicken soll, weil so viel da ist. Die gegenüberliegende Passionsfassade ist neu (1988) und gefällt mir leider auch nicht so, aber das ist wirklich sehr subjektiv. 
Ich bin ehrlich froh, dass ich noch nicht viel früher in Barcelona war, sonst hätte ich wohl noch nicht den Innenraum der Basilika gesehen und der ist unglaublich. Auch meine Begleitung meinte: "Noch nie eine Kirche gesehen, die den Blick so nach oben zieht, wie diese." Man kann einfach nicht anders, man geht rein, blickt nach oben und bekommt den Kopf einfach nicht mehr runter. 
Da wir abends dort waren, war keine Schlange an den Schaltern, allerdings haben wir auch vergessen, dass man in die Türme hinauf kann (per Aufzug!!), was aber egal war, eine Aussicht auf Barcelona hatte ich schon vom Palau und später noch von der Kathedrale. Angeblich soll man ja stundenlang anstehen, bevor man zu einem Ticket kommt. Glück gehabt!
Ein unvergesslicher Abend...


Fortsetzung folgt
Barcelona Teil1

Fotoalbum

Bärcelona - Wo ist der Strand?

Zeit wurde es, dass ich noch ein bisschen weiter in den Süden komme. Zwei Tage Barcelona standen am Plan. Vueling fliegt da sehr günstig hin. Zwei Tage sind genug, um Gusto auf mehr zu bekommen. Drei bis vier Tage müssten ausreichen, um alles kennen zu lernen (in meinem Tempo ;-) )
Um die Stadt mit einem Wort abzukürzen und zusammen zu fassen: Wow!

Barcelona, die Stadt von Miró, Picasso und v.a. von Antoni Gaudí ist Hauptstadt von Katalonien und die zweitgrößte Stadt Spaniens. Wer ein bisserl nachliest, weiß um das Verhältnis von Spanien und Katalonien. Interessantes Detail am Rande: wann immer ich versucht habe "Hallo", "Danke" oder "Auf Wiedersehen" in Catalan zu sagen, wurde ich auf Spanisch ausgebessert und umgekehrt. Ich hab dann irgendwann aufgegeben.

Am ersten Abend wollte ich unbedingt an den Strand. Am Plan war mir völlig klar, wohin. Aus dem Bus raus, den Massen nach - die wollten sicher auch alle an den Strand - und suchen. Die große Frage tauchte auf "Zuerst Futter suchen und dann den Strand oder umgekehrt?". Nachdem der blöde Strand immer noch nicht gefunden war, eben Futter zuerst. Italienisch :-) . Zur Vorspeise gab's die besten Oliven, die ich je gegessen habe. Ganz klein, grün und so dermaßen gut. Blöderweise hab ich verabsäumt zu fragen, wie sie heißen.
Also einen Verdauungsspaziergang am Strand. Aber wo ist der verdammte Strand? Wir mussten irgendwo in Barceloneta sein und da sollte der Strand sein. Meine Begleitung war so schlau, den Kellner zu fragen, nahm mich bei der Hand, sagte "Schau, ich zeig dir was", und überquerte mit mir einfach die Straße: Strand! (Ja, ich kann zwar Plan lesen, aber manchmal hab ich's mit der Orientierung in die falsche Richtung...) 
Ich, Schuhe aus, in den Sand und... bist du deppat, war der kalt (Mitte Mai)! Hartgesotten wie ich bin, noch die große Zehe ins Meer gesteckt, aber dann schnell wieder die Schuhe an. Strand und Meer, erledigt.

Heim sind wir mit dem Taxi. Es gibt immens viele Taxis in Barcelona und sie sind leicht erkennbar. Natürlich haben wir uns eines eingefangen, das für mich nicht sehr vertrauenweckend aussah. Als ich mich hingesetzt habe, ist die Rückbank gleich mal ein Stück nach hinten gerutscht (nein, so dermaßen viel wiege ich nun auch wieder nicht!) und auch sonst hat es mehr geklappert, als gebrummt. Meine Bedenken habe ich - auf Deutsch - wohl ein bisschen zu laut geäußert, weil der Taxifahrer plötzlich meinte: "Entschuldigen Sie, wenn ich Sie anspreche, aber sind Sie aus Deutschland?" Echt jetzt? Taxi in Barcelona mit indischem (!) Taxifahrer, der praktisch fehlerfrei Deutsch spricht?! Ach, war mir das peinlich. Er hat dann erzählt, dass er nach Deutschland wollte, in Barcelona hängen geblieben ist und gerne ein bisschen plaudern will, um sein - wie er meinte, nicht so gutes - Deutsch zu verbessern. Er sprach wirklich gut. Und ich hab mich den Rest der Fahrt sehr still verhalten... 

Fortsetzung folgt

Fotoalbum