Sonntag, 13. März 2016

WeltkulturerBÄR Krumau

Nach zwei Tagen Passau, folgten zwei Tage Böhmisch Krumau oder Cesky Krumlov (ja, da
gehören Haceks hin, ich kann das aber nicht). Geplant war eigentlich direkt von Deutschland hinüber nach Tschechien zu fahren, aber - wie so oft - hatte mein Navi etwas anderes im Sinn...
PapaBär hatte zuvor netterweise dafür gesorgt, dass ich keine Strafen zahlen muss, sollte man mich in CZ aufhalten: man braucht nämlich extra Lamperl für's Auto mit und eine Vignette haben die auch - hätt ich ehrlicherweise vergessen. 

Wie in Deutschland, hab ich ständig auf den Grenzübergang gewartet, während ich halb den Schildern gefolgt und halb auf's Navi gehört hab. Und plötzlich war er da. Und auch schon wieder vorbei. Und ich hab die Panik bekommen, dass ich keine Vignette hab, man mich aufhält und... und da war eine Tankstelle. Gleich mal gestoppt und nach einer Vignette gefragt. Sehr freundlich war die Dame nicht, aber das hat mich dann zumindest gleich auf Krumau eingestellt... 

Um nach Krumlov zu kommen, fährt man durch viel Wald. Und viel Wiese. Und noch mehr Wald. Weil es Ende Oktober war, hat es besonders schön ausgesehen. Und auch hier wieder fahr ich um eine Kurve und dann liegt da vor mir Cesky Krumlov. Nur noch die Pension finden - leicht. Nicht so mein Geschmack, aber sauber, freundlich, mit guter Lage und Parkplatz. Ohnehin nur für eine Nacht. 

Nachdem ich - wieder ein mal - später angekommen war, als ich geplant hatte, gleich los getrabt. Diesmal inklusive Stativ, denn den Berg rauf hatschen und wieder runter, hatte ich nicht vor. Man geht - von der Seite, von der ich kam - über eine Brücke, zwischen zwei Häusern durch, man hat also das Gefühl, die Stadt durch eine Art Tor zu betreten. Ein wenig später hab ich mich gefragt, warum man mir dort kein Eintrittsgeld abgeknüpft hat... 


Cesky Krumlov wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt und erhielt wohl seinen Namen, durch die Moldau, die dort ihre Schleifen zog: Krumben Ouwe. Krumau war "im Besitz" einiger bekannter Familien (Witigonen, Rosenberg, Habsburger, Eggenberg, Schwarzenberg), die natürlich auch da und dort einiges um- oder fertig bauten, aber Mitte des 20. Jhdts war's vorbei mit der Blüte. Man siedelte zwar Menschen an, aber niemand konnte sich leisten, etwas zu ändern. So ein Glück, daher konnte die UNESCO Ende des 20. Jhdts Krumau ins Weltkulturerbe aufnehmen und - zack - setzte der Touristenboom ein. Da aber nun Weltkulturerbe, darf nix mehr verändert werden, nur noch restauriert. Daher präsentiert sich Cesky Krumlov so, wie es sich jetzt darstellt: schön, malerisch, stimmig, alt, aber - imho - ohne Seele. Auf mich wirkte es wie ein Freilichtmuseum - daher auch mein Gefühl, man hätte mir eine Eintrittskarte verkaufen müssen...

Dominiert wird die Silhouette der Stadt vom Schloss, das riesig und trutzig über allem
thront. Gerade mal der bunte Renaissanceturm nimmt dem ganzen seine Wuchtigkeit auf der einen und die Mantelbrücke auf der anderen Seite. Durch ständige Um- und Zubauten der diversen "-bergs", ist das Schloss die zweitgrößte Burganlage Böhmens. Man zahlt zwar nicht, um durch das Schloss zu gehen, aber man zahlt dafür, um irgendwo hinein zu kommen. z.B. für die Besteigung des Turms. Für das Schlosstheater (sollte man übrigens wissen, dass man das Ticket in Hof1 kauft und nicht erst in Hof5 wo es sich befindet - könnte einem auch von der Ticket-Dame gesagt werden, aber - wie so viele in der Stadt - war sie ziemlich desinteressiert). Für den Abstieg in den einen Keller. Für alles eigentlich. Ich hab mir nur den Turm gegönnt. Die Aussicht vom Schloss überhaupt - nicht nur vom Turm aus - ist unglaublich schön. Eine einzige, rote Dächerlandschaft. 

Im Burggraben werden Bären gehalten. Yeah, denkt sich der geneigte Leser, weil ich doch Fan bin. Nein, nicht schön. Sie haben kaum Platz, dafür aber viel Beton. Werden nicht beschäftigt und nur begafft. Das ist doch kein Bärenleben. Leider aber völlig legal... Allein schon deshalb habe ich nur für den Turm bezahlt und gedacht: nein, die Bärenhaltung fördere ich nicht.

Stadtplan braucht man für Krumau keinen. So groß ist es nicht. Man findet alles. Und man sucht nix. Worauf man überall stößt, ist Schiele (blöd halt, wenn man ihn nicht mag). Als er hier war, mochten ihn die Krumauer nicht so gerne, jetzt zehren sie von seiner Berühmtheit und seiner Liebe zur Stadt. 
Und sonst? Der mittelalterliche Bebauungsplan ist erhalten, das merkt man. Im Kern sind viele Häuser gotisch. Man findet aber Barock-, Renaissance- und klassizistische Fassaden auch. Und unheimlich viel Sgraffito. Faszinierenderweise sind fast alle Gebäude Hotels. Und wenn sie keine Hotels sind, sind es Restaurants. Und wenn sie keine Restaurants sind, sind es Geschäfte. Oft genug alles davon gleichzeitig. Wie kann ein so kleiner Ort nur so unglaublich viele Übernachtungsmöglichkeiten haben? Es sind ja rundum den Kern nochmal so viele Hotels und Pensionen. Tatsächlich dürften aber auch Menschen dort leben, weil ich viele Klingeln mit Namen gesehen habe. Und - was mich besonders gestört hat - es sind Autos durch gefahren. Klar, man muss Touristen und ihr Gepäck ja wohin bringen. Oder Lieferungen. Aber - also wirklich! - das ist eine mittelalterliche Stadt, in der noch unglaublich viel erhalten ist; wie viel wird bleiben, wenn da ständig Autos durch tuckern?! 

Es wirkt aber kein bisschen so, als ob Menschen dort leben würden. V.a. nicht, als ich abends durch die Straßen gezogen bin - offenbar verzieht sich dann alles in die Bars und Restaurants. Es wirkte auf mich, als ob morgens die Leute zur Arbeit in die Stadt kämen, die Tore öffnen, arbeiten und abends wird alles hochgeklappt, zugemacht und wieder verlassen. Eben wie ein Museum. Schade eigentlich. Deshalb bin ich bis heute nicht sicher, ob mir Krumau gefällt oder nicht. Einerseits gibt es so viel dort zu sehen, andererseits "lebt" es nicht. Ganz ein merkwürdiges Gefühl hat Cesky Krumlov bei mir hinterlassen... Ich wollte es so gerne mögen, weil es doch so sehenswert ist, aber es will mir nicht so recht gelingen. Vielleicht muss ich es nochmal probieren...

Fotoalbum

1, 2, 3 pittoreske Flüsse

Ich musste wieder einmal weg. Hatte man mir mal nicht gesagt, dass Passau sehenswert sein soll? Einen kleinen Reiseführer hatte ich ohnehin schon, also schnell durchgelesen, Wochenende verlängert, ins Auto gesetzt und los getuckert. Unterwegs hat mich noch ein Freund darauf hingewiesen, dass ich dem beliebten Grenzübergang ausweichen soll (die Flüchtlingswelle war grad am Höhepunkt). Demnach das Navi ignoriert, anderen Schildern gefolgt und ständig darauf gewartet, dass der Grenzübergang kommt. Oder etwas, das - für mich - aussieht wie ein Grenzübergang. Aber da kam nix. Die Straße war mittlerweile eine hübsche, kleine Allee geworden und da war es: ein kleines Schild, rechts am Straßenrand, das besagte, dass ich eben die Grenze überfahren hatte. Das war dann jetzt doch etwas... unscheinbar. Ich hab mich gefragt, wann ich endlich Passau sehen würde, bis es in einer Kurve dann vor mir lag. Oh, so einfach! 
Das Hotel zu finden, hat mich dann doch ein wenig nervös gemacht. Auf der einen Seite Passaus runter, über die Brücke, quer durch Passau, über die Brücke, über die andere Brücke zurück, einmal rundum durch, nochmal über die Brücke... oder so ähnlich. Gefunden. Süß dort. Niedliches Zimmer. Und die Aussicht! Direkt auf die Veste Niederhaus. (Das Frühstück war übrigens erstklassig. Es gab auch Speck! Und es gibt eine Garage - groß darf das Auto allerdings nicht sein.)

Passau, die "schwimmende" Nibelungenstadt. Im Nibelungenlied zieht Kriemhild in die Stadt Pazzovwe. Donau, Inn und Ilz fließen hier zusammen, allein schon deshalb war Passau immer schon Zentrum des Handels- und Reiseverkehrs zwischen West, Ost, Nord und Süd. Die ältesten Nachweise von Menschen im Passauer Gebiet datieren 5.000 v.Chr. 

Die Stadt ist wirklich süß. Praktisch menschenleer, aber so süß. Ich glaub, ich war während der Uni-Ferien dort und sie ist ja auch Universitätsstadt, ev. war deshalb fast kein Mensch unterwegs, aber mir war das nur recht. 
Ich bin ein bisserl herum gelaufen, um mich zu orientieren. An einem der Flüsse entlang - fragt mich nicht, welcher, ich hab die ständig verwechselt. Funfact: mich hat's fast auf den Hosenboden gesetzt, als ich die Promenade entlang gewandelt und dabei auf den fließenden Fluss geschaut hab... Dementsprechend bin ich danach immer landseitiger, als flussseitiger gegangen...
Viele der Kirchen und Häuser sind halt sehr barock, aber man findet auch einiges Älteres. V.a. aber, ist die Stadt stimmig angelegt. Es stört nichts wirklich darin, alles passt zusammen und das macht sie so ausgesprochen pittoresk. Nun hat sich mein Reiseführer ja wirklich sehr in den barocken Überladungen v.a. des Stephansdoms (ja, den gibt es dort auch und oben grüßt eben derselbe, zu seinem Verwandten nach Wien - darin steht die weltgrößte Orgel) ergangen, aber leider hat er manch interessantes, älteres Detail nur gestreift. Was im Prinzip aber egal war, es ist tatsächlich eine Stadt, in der sogar ich mich treiben lasse, weil einfach alles so gut zusammen passt. 


Nachdem ich bis nach Sonnenuntergang herum gelaufen bin, hab ich mich dran erinnert, dass MamaBär immer zu mir sagt: "Iss was. Du isst nie was, wenn du auf Reisen bist." Sagt sie sonst nie. Sonst sagt sie immer, ich soll weniger essen. Aber im Prinzip hat sie recht. Also hab ich mir ein Lokal gesucht, Essen bestellt, das erst später kommen sollte, weil ich vor Küchenöffnung drin war und hab mich am Stadtplan orientiert. Irgendwann ist mir Twitter ein wenig abgegangen, ich wollte nach WLAN fragen. Umgedreht von der Bar und ... oh ... sitzt eine Twitter-Bekannte vor mir und grinst breit. Lebt eigentlich in München, war zu dem Zeitpunkt beruflich in Passau und da treffen wir einander wieder. Zufällig. Ich hatte zuvor nicht laut getwittert, wohin ich fahre... Schön, ich war nicht alleine. Wir haben gegessen, getrunken, geplaudert. Ein feiner Abend. 

Irgendwann haben wir uns dann doch noch getrennt. Und ich mich gezwungen, das Stativ aus dem Hotel zu holen und nochmal in die Stadt zurück zu gehen. Ich wollte ja Nacht-Fotos machen, nachdem ich diese Sache mit der Blende, Belichtung und so Dings gelernt habe. Was soll ich sagen, Passau gibt Nachts nochmal so viel her, wie unter Tags. Bis nach Mitternacht war ich unterwegs. Allein. Außer mir, schien niemand mehr in der Stadt zu sein. Und, obwohl ich in einigen dunklen Ecken herum stand, hatte ich nie wirklich Angst - ok, mit dem Stativ könnte ich mich ordentlich wehren, aber das war ja nicht notwendig. 


Ein wirklich schöner Tag folgte. Sonne, relativ warm, gerade richtig, um mit dem Reiseführer in der Hand, die Altstadt genau abzugehen. Immer noch begeistert, wie malerisch Passau ist. So romantisch schön. Jede Ecke bin ich abgegangen, jeden Winkel, in jedes Haus, in jede Kirche, so es/sie offen war. Und die Fotos, die ich zuvor Nachts gemacht hab, unter Tags wiederholt. Tore, Türen und Fenster fotografiert. Wassermarken gelesen. Passau ist immer wieder von Hochwasser betroffen und nicht wenig. Das letzte (und zweitschlimmste) bisher war 2013. Da muss quasi die ganze Stadt unter Wasser gewesen sein. Mein Hotel lag direkt am Wasser und die Rezeptionistin erklärte mir, dass das Wasser bis zur Decke im EG stand. Nun geht man aber nicht ebenerdig ins EG, sondern ca 15 Stufen noch hinauf! Unglaublich. Ich vermute, die Passauer haben gelernt, damit umzugehen... 
Besonders viel Zeit hab ich in der Carlonegeasse verbracht, die neben dem Dom entlang in die Fußgängerzone führt. So ein romantisches Gässchen. Aber dann hab ich die Höllgasse entdeckt. Da reiht sich ein mittelalterliches Häuschen neben das nächste. Mein Reiseführer hatte dazu wenig zu sagen. Egal. Beschlossen, die nächste Nacht mit Stativ in der Höllgasse zu verbringen. Vorher musste ich noch auf die Veste Oberhaus. Ein Shuttle fährt vom Rathausplatz hinauf. Oder man geht zu Fuß - ein Teil führt durch den alten Wehrgang, der Veste Ober- mit Niederhaus verbindet - die Veste Niederhaus ist btw in Privatbesitz. Die Veste Oberhaus hingegen öffentlich zugänglich.
Nachdem ich ja doch ein bisserl faul und außerdem eh schon so viel gegangen bin, beschlossen, mit dem Shuttle hinauf zu fahren, aber dann hinunter zu gehen. Das Museum oben ausgelassen, einfach so durchs Gelände, viel wichtiger war mir ohnehin die Aussicht. Und Kaffee und Kuchen :-) . In der Sonne pausiert, Fotos geschossen, nachgedacht, Seele geschaukelt und so dings. Den Rückweg hat man mir dann allerdings verweigert. Der Wehrgang wird bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen und, obwohl ich noch diskutiert habe, dass es eine halbe Stunde zu früh sei, man mir recht gegeben hat, durfte ich trotzdem nicht runter gehen. Also über die Straße. Wie langweilig.
Jedoch rechtzeitig zu Sonnenuntergang im Hotel. Kurz ausgeruht, Stativ geschnappt und wieder raus. Vollmond. Beleuchtete Stadt, Flüsse und Vollmond. Hach. Die nächsten paar Stunden hab ich stehend, sitzend, knieend in der Höllgasse verbracht... 



Am nächsten Morgen war die Veste Niederhaus vor meinem Fenster weg. Dichtester Nebel. Frühstück - allein im ganzen Raum, man hat sich intensiv um mich gekümmert - mit Fensterplatz und zugesehen, wie sich langsam. Ganz langsam der Nebel lichtet. Auch so schön. Die zwei Tage konnten kaum besser sein. Es hat einfach alles gepasst. 
Aber nun auf nach Cesky Krumlov

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